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Angst bei Hunden: Streicheln beruhigt – oder?

 

Gerade jetzt, kurz vor Silvester, liest man es häufig: Niemals dürfe man ein Tier trösten bzw. sich ihm zuwenden, wenn es Angst hat, denn das würde das Tier nur in seiner Angst bestärken. Die Meinungen hierzu gehen auseinander.

Man kann grob zwei Lager unterscheiden:

  • Streicheln bzw. positive Zuwendung verstärkt die Angst des Hundes.
  • Streicheln bzw. positive Zuwendung wirkt beruhigend auf den Hund.

Zwei Lager, zwei Meinungen und eine Menge Argumente:

Lager No. 1: Streicheln als Angst-Booster?!

Egal wann, wie und wo ein Hund ängstlich reagiert, ist die Mehrheit der Leute schnell mit einer Empfehlung bei der Hand: den Hund ignorieren und keinesfalls trösten. Also: Pfoten weg! Denn: Trösten würde dem Tier zeigen, dass seine Angst berechtigt ist. In der Folge – so die Meinung – würde er das Verhalten häufiger zeigen. Er hat gelernt, dass es das richtige Verhalten in dieser Situation ist. Und genau das wollen wir ja schließlich nicht. Niemand möchte, dass sich die Angst seines Lieblings mit jedem Streichler stärker einpflanzt.

Pfoten weg: den Hund ignorieren und keinesfalls trösten.

 

Mit jedem Streicheln pflanzt sich die Angst ein…

Diese Sichtweise geht u.a. auf B. F. Skinner, den US-amerikanischen Psychologen und prominentesten Vertreter des Behaviorismus, zurück. Demnach verstärkt die Berührung, die als positiv empfunden wird, das in unserem Fall eigentlich unerwünschte Verhalten (Angst, Panik, Unsicherheit). D.h., das Streicheln wirkt wie eine Belohnung und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass unser Hund zukünftig immer wieder Angst zeigt – denn ihm winkt ja schließlich eine Belohnung. Nach dieser Reiz-Reaktions-Theorie würden die Beruhigungsversuche ängstliche Hunde noch ängstlicher machen.

Streicheln verstärkt Angst beim Hund

Streicheln verstärke die Angst des Hundes, so die Experten alter Schule.

Ein Beispiel: Euer Hund hört das Feuerwerk und kommt ängstlich zu euch gelaufen. Ihr streichelt ihn, um ihn zu „trösten“. Der Effekt laut Skinner & Co.: Ratzi-Fatzi hat euer Hund eine wichtige Lektion gelernt: Jedes Mal, wenn er Feuerwerks-Lärm hört, ist das ein Zeichen für ihn, Angst zu bekommen und zu euch zu laufen. Er spult das erlernte Programm ab. Schließlich wartet eine Belohnung in Form von Streicheleinheiten oder Leckerlis auf ihn – wer kann da schon widerstehen. Laut Lerntheorie hat das Streicheln seinen Dienst getan und das Angstverhalten zementiert. Daher raten so viele Experten davon ab, einen ängstlichen Hund zu streicheln.

Das Streicheln zementiert die Angst. Es wirkt als Belohnung…

 

Schwierig….doch nun zur zweiten Position, die mir – ich muss gestehen – eher einleuchtet…

Lager No. 2: Den Stress weg streicheln – und damit sozial agieren

Ängstliches Verhalten wird NICHT durch beruhigendes Ansprechen, Streicheln und Füttern des Hundes verstärkt, so Lager No. 2, zu dem u.a. Dr. Ute Blaschke-Berthold, Dipl. Biologin, Hunde-Trainerin und Verhaltenstherapeutin, sowie Patricia McConnell, die amerikanische Hundeexpertin und bekannte Buchautorin, zu zählen sind.

Mit Streicheln signalisiert ihr eurem Hund, dass ihr für ihn da seid!

 

Laut dieser beiden Expertinnen signalisiert ihr eurem Hund durch Zuwendung und Füttern, dass ihr für ihn da seid. Euer Hund hat sogar die Möglichkeit den angsteinflößenden Reiz (beispielsweise das Feuerwerk – Silvester naht…) mit etwas Angenehmen zu verbinden. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die klinisch sterile Reiz-und-Reaktions-Perspektive von oben über Bord zu werfen und euren Hund als Teil eines sozialen Gefüges zu betrachten, oder? Schauen wir, was die Verhaltensbiologen dazu sagen:

Social Support bei Hunden

Zuneigung hilft, beängstigende Situationen besser zu überstehen.

Ignorieren wäre höchst unsozial

In der Verhaltensbiologie spricht man von Social Support. Experten haben nachgewiesen, dass sich Gruppenmitglieder in stressenden Situationen durch körperliche Nähe und Zuwendung gegenseitig helfen – und nicht ignorieren, was höchst unsozial wäre. Und das hat entwicklungsbiologisch einen guten Grund: Körperliche Nähe und Zuwendung senkt Blutdruck, Herzfrequenz und reduziert Stresshormone. Es hilft, beängstigende Situationen besser zu bewältigen.

Social Support: Gruppenmitglieder helfen sich in stressenden Situationen durch körperliche Nähe und Zuwendung.

 

Dr. Ute Blaschke-Berthold ist sich sicher, dass sich dieses sozio-positive Verhalten im Verlauf der Entwicklungsgeschichte nicht hätte halten können, wenn Zuwendung bzw. Social Support Ängste verstärken würde. Keine Gruppe kann es brauchen, dass ihre Mitglieder immer ängstlicher werden.

Angst gegen Belohnung? …ein schlechter Tausch

Patricia McConnell führt noch ein weiteres Argument gegen die Sichtweise von Lager No.1 ins Feld: Ihr könnt euren Hund gar nicht so viel streicheln, als dass er dafür das Gefühl der Panik in Kauf nähme. Angst zu haben ist für eure Hunde genauso unangenehm wie für euch.

Angst zu haben ist für eure Hunde genauso unangenehm wie für euch.

 

Hierzu habe ich euch ein gutes Beispiel aus dem Buch “Trafen sich zwei – Betrachtungen über Menschen und Hunde” von Patricia McConnell herausgezogen:

„Nehmen wir an, Sie essen gerade ein Eis, als um Mitternacht jemand in Ihr Haus einzubrechen versucht. Würde das Vergnügen des Eisessens Sie darin “bestärken”, Angst zu haben, so dass Sie beim nächsten Mal noch mehr Angst hätten? Wenn überhaupt, würde es höchstens umgekehrt funktionieren – Sie könnten eine unbewusste Abneigung gegenüber Eiscreme entwickeln. Eins aber ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Sie würden bei der künftigen Begegnung mit einem Einbrecher nicht deshalb mehr Angst haben, weil Sie beim ersten Mal, als es passierte, gerade einen Schokoeisbecher verputzten.“

 

Einen ausführlichen Artikel zum Thema von Patricia McConnell findet ihr hier.

Mein Fazit

Ich halte mich an Astrid Lindgren:

„Man kann in Tiere nichts hineinprügeln, aber man kann manches aus ihnen herausstreicheln.“

Welche Position vertretet ihr?

 

Bilder: Clipdealer

Ein weiterer sehr interessanter Beitrag zum Thema Stress bei Hunden..

Stress bei Hunden: Auslöser, Symptome sowie Gegenmaßnahmen

 

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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!

22 Kommentare

  1. Hi Neele,

    schönes Thema, dass du hier aufgreifst. Es ist meiner Meinung nach imens wichtig und man sollte sich immer wieder selbst überlegen, wie man mit seinem Hund richtig umgeht.

    Ich gehöre zu denen, die ihrem Hund Zuneigung zeigen – sie (Cara) ist immerhin wie mein Kind; ein Lebewesen, dass Zuneigung braucht 🙂

    Es gibt auch eine sehr schöne Studie dazu, wie sich Kinder entwickeln, wenn sie keine Zuneigung und gar keine menschlichen Kontakte bekommen. Allein die Vorstellung ist schon schrecklich..

    Liebe Grüße
    Julia

    • Liebe Julia, oh ja, die Studie kenne ich. Und auch Hunde sind extrem soziale Wesen – meist noch sozialer als Menschen, so scheint es. Ich denke auch, dass man ihnen genauso wie einem Menschenkind zeigen muss, dass man für sie da ist und ihnen hilft, unangenehme Situationen auszuhalten und zu überstehen.
      Liebe Grüße – natürlich auch an Cara
      Wilma & Neele

  2. Pingback: Gastbeitrag: Silvester mit Hund – Teil 4 | Hundeblog Moe and Me

  3. Pingback: Angst bei Hunden | Hundeblog Moe and Me

  4. Ich bin für „Hund unterstützen, sich besser zu fühlen“.
    Wenn er streicheln schon ohne weiteren Stress unangenehm findet, wird das an Silvester nicht zur Verbesserung beitragen!
    Ich unterscheide auch zwischen: Bearbeiten der Emotion und bearbeiten des Verhaltens.
    Ja, manche Hunde zeigen vielleicht mehr „Angstverhalten“, nachdem sie die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Menschen ihnen dann helfen. In dem Fall ist dann das Angstverhalten das hundliche Equivalent zu „hilf mir bitte, mich sicherer zu fühlen.“
    Wenn das Ergebnis ist, dass der Hund sich tatsächlich besser fühlt, dann soll er diese Strategie doch anwenden – das ist dann nichts anderes als „Männchen machen“ um einen Belohnungskeks zu bekommen…
    Manchmal ist dies ein Zwischenschritt. Denn wenn die Hunde wiederholt erleben, dass z.B. Geknalle Anzeichen sind, dass ihre Menschen ihnen Sicherheit geben, verliert das Geknalle natürlich seinen Schrecken, sprich, die Emotion ändert sich – weil Sicherheit kommt ja gleich…. Und damit ist dann auch das Angstverhalten weg (oder zumindest reduziert).
    Meiner Meinung nach ist das wichtige die geänderte Emotion – wenn der Hund dazu „ängstlich aussehen“ als Trick anbietet, so be it

    • Liebe Martina, vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist eine interessante Sichtweise. Ich finde auch, dass sich der Hund zu allererst sicher fühlen muss und sein Frauchen/Herrchen die Aufgabe hat, als unterstützender „Partner“ da zu sein. Wenn der Hund sich dann noch durch Spiele etc. ablenken lässt, umso besser. Wie oft sind die Hunde für uns da, wenn es uns schlecht geht. Sie sind ebenso treue Partner wie wir es sein sollten.
      GlG Wilma & Neele

  5. Hallo Neele,

    genau wie fast alle anderen bin ich mit der These aufgewachsen, man solle Hunde nicht streicheln, wenn sie Angst haben … Ich für mich habe aber festgestellt, dass das nichts für mich ist. Suri hat beispielsweise große Angst vor Wind und dessen Geräuschen, wenn wir Zuhause sind. Sie kommt dann immer zu mir und sucht Schutz. Wenn sie dann mit mir auf der Couch liegt, ist die Welt aber für sie wieder halbwegs in Ordnung. Warum soll ich sie also in einem solchen Moment ignorieren, wenn ich doch weiß, dass sie sich wohl fühlt, wenn sie eine solche Geschichte mit mir auf dem Sofa „überstehen“ kann.

    Viele Grüße
    Martina, Dayo und Suri

    • Hallo Martina, das finde ich auch! Außerdem sprechen doch alle vom „Rudelführer“. Der ist doch auch für den Schutz seines Rudels verantwortlich, oder? Wölfe z.B. bleiben doch sogar bei verletzten Familienmitgliedern und suchen den Körperkontakt, um ihnen eine Stütze zu sein. Nach dem Motto: We are Family!
      Viele Grüße von Wilma und mir.

  6. Einen ängstlichen Hund gar nicht zu streicheln, halte ich für Bullshit. Wie du schon schreibst – das widerspricht sämtlichen sozialen Verhaltensweisen, die für Menschen ebenso gelten wie für Hunde. Wo allerdings etwas dran ist: man sollte selber ruhig bleiben und nicht wer weiß was für einen Aufstand machen. Sonst entsteht für den Hund tatsächlich der Eindruck, dass irgendetwas ganz Bedrohliches vor sich gehen muss. Wenn es gewittert und meine Hündin sich zitternd an mich drückt, wird sie natürlich gestreichelt und geschmust – genau so, wie ich es halt auch sonst mache. So ist für den Hund klar, dass er bei mir Schutz findet, dass aber eigentlich nichts Schlimmes vor sich geht, weil ich mich ja ganz normal verhalte wie sonst auch.
    Ich habe meine Hündin vor zwei Jahren aus dem Tierheim geholt und da war sie ein Angsthund par excellence, mittlerweile ist sie eine entspannte, neugierige Hundedame.
    Unter anderem haben wir die Situationen trainiert, in denen sie anfangs panisch reagiert hat. Beispiel: mir fällt im Flur mit lautem Gepolter ein leerer Karton runter –> Hund saust zitternd in die nächste Ecke. Wäre ich da jetzt hinterhergelaufen und hätte alles stehen und liegen lassen, hätte der Hund gelernt, dass das Poltern etwas ganz Schlimmes sein muss. Stattdessen habe ich mir mit meinem Freund den Karton einfach noch ein paar Mal hin und her geworfen und dabei auch immer mal wieder auf den Boden fallen lassen – und kurze Zeit später kam ein neugieriger, schwanzwedelnder Hund um die Ecke, der bei diesem anscheinend spaßigen Spiel mitspielen wollte und seitdem keine Angst mehr vor polternden Kartons hat.

    • Hi Anne! Ich finde deine Aussage „…gestreichelt und geschmust – genau so, wie ich es halt auch sonst mache.“ trifft genau den Kern. Der Hund würde sich wahrscheinlich wundern, wenn du ihn auf einmal zurückweisen würdest. Denn: er hat ja nichts falsch gemacht. Es wäre für ihn wahrscheinlich noch verunsichernder, wenn du dich anders verhalten würdest als sonst. Auch die Karton-Situation finde ich richtig gut gelöst! Ihr ward in der Situation auch ganz sicher, dass es klappen würde, oder habt ihr gezweifelt? Der Erfolg hat euch Recht gegeben, besser kann es nicht laufen. Wie habt ihr es außerdem geschafft, eure Tierheim-Dame zu einer sicheren Hündin zu machen? War es ein langer Weg oder einer schneller, intuitiver? Hattet ihr Hilfe dabei?
      GlG Neele und Wili

  7. Socke-nHalter sagt

    Ich hoffe, dass die zweite Meinung richtig ist, denn bei allem Verstand, aller Vernunft und aller Überlegung, versuche ich intuitiv meinen Hund zu streicheln und ihm zu signalisieren, zu mir zu kommen, wenn Etwas nicht stimmt, ist richtig. Ich versuche die Situation zu regeln…..

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Hi Sabine, ich würde sagen, dass alles richtig ist, was dem Hund hilft und ihm die Verantwortung abnimmt – bzw. die Angst. Ich mache es auch so und muss nur noch das Herrchen überzeugen 😉

  8. Hallo Neele,

    prima, das Thema mal von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Meine Meinung dazu ist, wie auch du schon geschrieben hast, der goldene Mittelweg führt zum Ziel, wie fast immer. Wir haben einen Terrier, dem wir jahrelang die Angst „eingestreichelt“ haben: „Oh du armer, so ein schlimmes Geknalle, armer, armer Wuffi … “ Ist wie bei kleinen Kindern, die hinfallen. Sagt die Mama: oh zeig mal, soll ich mal pusten oder ei machen?, beruhigt sich das Kind schnell wieder. Sagt die Mama: oh Gott, wie schlimm, zeig mal, das ist ja FURCHTBAR … SANITÄÄÄÄTER …, schreit das Kind noch mehr. Ich kann auch auf meinen Hund beruhigend einwirken, wenn ich für ihn da bin, ihm aber gleichzeitig signalisiere, dass alles ok ist. Oder ich mache es halt schlimm, indem ich ihm vermittel, dass seine Situation tatsächlich ganz furchtbar ist und seine Angst absolut begründet ist. Ignorieren ist natürlich doof. Aber z.B. ablenken, für ihn da sein, vielleicht (aber auf aufmunternde Art) mit ihm spielen oder kuscheln, kann durchaus Wunder bewirken. So war es bei uns auf jeden Fall. In den letzten paar Jahren haben wir es geschafft, unseren Terrier relativ ruhig und entspannt zu halten, nachdem der Fehler erkannt war. Ablenken, signalisieren dass alles ok ist, sich kümmern, aber nicht bemitleiden …

    Liebe Grüße
    Anke mit Leo und Lucy

    • Hallo Anke – und natürlich ein *wuff*an Leo und Lucy ;-). Ja, so sehe ich das auch! Ablenken ist super! Wenn es dann noch einen leckeren Knochen gibt, ist der Hund nicht nur abgelenkt, sondern kann überschüssige „Angst-Energie“ zusätzlich übers Nagen und Kauen abbauen. Ich bin sooo gespannt auf dieses Silvester. Wilma bekommt auf jeden Fall den Rinder-Riesenknochen 😉
      Ganz liebe Grüße
      Neele mit der wilden Wilma

  9. Toller Bericht. Ich bin definitiv Lager 2.
    Ich kenne dieses man darf den Hund bloß nicht streicheln noch gut genug als ich ein Kind war und wir eine Berner Sennen Hünding hatten. Da wurde mir an Silvester oder wann immer sie Angst hatte verboten sie zu streicheln. Ich habe mich aber einfach immer heimlich zu ihr geschlichen und sie gestreichelt und gekuschelt. Für mich war es damals und ist es heute nicht schlüssig, wieso man einen Hund nicht streicheln sollte und schon gar nicht wenn er eindeutig die Nähe sucht. Wieso sollte ich ein Lebewesen abweisen, das eindeutig Angst hat. Ich würde niemals auf die Idee kommen einem meiner Hunde Nähe vor zu enthalten, nur weil irgendwelche Wissenschaftler behaupten das sei falsch. Genau aus diesem Grund, war ich auch noch in keiner Hundeschule, sondern immer mit verschiedenen Problemen bei unterschiedlichen Trainern. Denn jeder vertritt so eine geschlossene Sicht. Ich bin aber ein Hundehalter der über den Tellerrand hinausblickt und aus jeder Trainingsmethode oder wissenschaft sich das rauspickt, was mir gefällt.

    Also ich werde auch dieses Silvester definitiv meine Hunde streicheln.

    Liebe Grüße
    vom ganzen Canistecture Rudel

    • Hallöchen Anna, ;-), dank dir;-)))). Daumen hoch für dein klares Statement! Genau so denke ich auch. Habe mich übrigens als Kind auch immer darüber hinweggesetzt und bin zu unserem Schäferhund unter die Sitzbank gekrochen. Kinder wissen meist besser als Erwachsene, was zu tun ist. Es ist genau, wie du sagst: als Erwachsene sind wir zu verkopft und mit Theorien vollgestopft, wobei sich viele dann für die eine oder andere entscheiden – ohne Graustufen. Intuition ist allerdings doch die beste Lehre, oder?

  10. Ich gehöre zur Pferdefraktion und staune immer wieder, wie viele Parallelen es zu den Hunden gibt. Die gleiche Frage stellt sich nämlich auch uns: Wenn unser Pferd Angst hat oder scheut, sollen wir das Verhalten dann ignorieren oder es streicheln und beruhigen? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn es zum Scheuen kommt, das Pferd im Kopf nicht mehr beim Menschen ist – da kann ich streicheln wie ich will, es blendet mich aus. Ich muss also aktiver werden, das Pferd ablenken oder konkrete Aufgaben stellen, um es wieder auf mich zu fokussieren. Tut es das, dann streichele ich und gebe die Pause. Hm. Lässt sich das jetzt auf Hunde übertragen? VG! Nadja

    • Hi Nadja, ich denke schon, dass sich das übertragen lässt. Je stärker die Angst, desto höher ist ja auch die Hürde, die Aufmerksamkeit des Tieres dennoch zu erlangen und die „Emotions-Wand zu durchbrechen“. Am besten beginnt man bereits frühzeitig, den Hund/das Pferd abzulenken – geht natürlich nicht immer – und gar nicht erst in den Zustand kommen zu lassen. Oder man wendet die Desensibilisierungstechnik an. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass das Tier einem vertraut. GlG

  11. Ich habe mal irgendwo ein sehr einleuchtendes Beispiel dazu gelesen: Wenn ich als Spinnenphobikerin eine riesige Spinne an der Wand sehe und mir in dem Moment jemand ein Stück Schokolade gibt, dann habe ich doch nicht MEHR Angst vor der Spinne, sondern sehr wahrscheinlich sogar WENIGER. Weil ich abgelenkt werde und weil ich die Spinne mit was Positivem verknüpfe. Hunde bei Angst zu ignorieren finde ich regelrecht grausam. Niemand würde ein Kind ignorieren, das vor etwas Angst hat, sondern ihm Schutz bieten und es beruhigen.
    Andererseits muss man auch aufpassen, da Angst tatsächlich auch gelernt wird. Was auch evolutionstechnisch sinnvoll ist, da Kinder von ihren Eltern lernen, wo es Gefahren gibt. Deshalb kommt es darauf an wie man den Hund tröstet. Man sollte ihm Sicherheit vermitteln und Schutz bieten, ihm zeigen, dass man selbst keine Angst und die Situation im Griff hat. Man sollte nicht aufgeregt den Hund betüddeln: „du hast ja soooo recht, du Armer“. Damit würde man ihm vermitteln, dass die Situation tatsächlich bedrohlich ist, man vielleicht selbst auch Angst hat und somit für den Hund kein sicherer Hafen mehr ist. Das würde die Angst in der Tat verstärken.
    Mein Fazit: Beide Seiten haben recht 🙂
    LG Saskia

    • Hi Saskia, ja, dass stimmt natürlich. Der Mittelweg ist der Weg der Wahl. Es kommt auch immer auf die Reaktion des Herrchens/Frauchens an. Niemand, auch unsere Hunde nicht – ich würde sogar behaupten: vor allem Hunde nicht – leben in einem abgekoppelten Kosmos. Insofern finde ich die Social-Support-These sehr gut. Wir alle spiegeln das Verhalten des anderen in irgendeiner Form. Wir sind soziale Wesen. Von Hunden weiß man ja auch mittlerweile, dass sie uns und unsere Emotionen sehr gut einschätzen können und darauf reagieren. Danke für deine differenzierte Ergänzung!

  12. Sehr schöner Beitrag 🙂
    Ich hab ja mit Luri auch so einen absoluten Angstbolzen und jeder vertritt eine andere Meinung. Ich vergleiche es gern mit einem kleinen Kind, denn dieses würde sich im Kreise von ihren Eltern auch in ängstlichen Situationen wohler fühlen, als wenn man es ignorieren und mit seiner Angst allein lassen würde. Schließlich habt ihr euch auch sicher und wohlgefühlt, wenn der angsteinflößende Weihnachtsmann vor euch stand und ihr euch hinter Muttis Beinen verstecken konntet. 😉
    Ich kann Luri nicht ignorieren, denn er sucht automatisch meine Nähe. Sobald ich mich nur einen Zentimeter von der Couch wegbewege, während es draußen rumst (Gewitter, Silvester), dann hängt er mir direkt am Po. Folgt mir sogar auf die Toilette um sich da zwischen meine Beine zu kauern.
    Warum ihn hier ignorieren, gar wegschicken?

    • Liebe Anja, danke für deine Einschätzung. Ich würde es auch überhaupt nicht übers Herz bringen, einen ängstlichen Hund, der meine Nähe sucht, einfach mit der Angst allein zu lassen und zu ignorieren. Das macht man doch instinktiv nicht, oder? Das Beispiel von Patricia McConnell finde ich auch durchaus plausibel. Ich kenne aber sehr, sehr viele, die komplett anderer Meinung sind, und Hunde als reine Reiz-Reaktions-Maschinen sehen…

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