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Baby-Alarm: „Hund wegen zu wenig Zeit abzugeben!“

Hundeblog Fiffibene Hund und Kind

 

Hund und Kind, ein Thema mit vielen Facetten (mehr zum Thema findet ihr hier und hier). Aber nicht nur das: Es ist ein Thema voller Emotionen. Diana Bosse, Hundebloggerin auf „Hundekind Abby – der Hundeblog„, schreibt in ihrem Gastbeitrag für den Fiffibene Hundeblog, warum einige frisch gebackene Eltern ihren Hund abgeben. Warum muss ein Hund gehen, weil ein Baby kommt?

Auf Francis Hundeblog „Jagdtrieb? findet ihr übrigens eine Blog-Antwort auf den Beitrag von Diana. Clickt rein!

Von Diana Bosse

 

Hallo ihr Lieben,

vor nicht allzu langer Zeit hatten wir auf unserem Hundeblog darum gebeten, sich vor der Anschaffung eines Vierbeiners gut zu überlegen, ob ein Hund auch wirklich in die Lebensplanung der nächsten Jahre passt. Als frisch gebackene Eltern fanden wir jede einzelne Anzeige furchtbar, in der stand, dass der Hund aus Zeitmangel wegen des Babys abgegeben würde. Damals verstand ich solche Anzeigen noch nicht…

Abby Hundekind Fiffibene Hundeblog

Darf ich vorstellen: Abby, eine wunderschöne weiße Schweizer Schäferhündin

Heute, ein paar Wochen später, muss ich sagen: Ich verstehe, warum Hundebesitzer solche Anzeigen online stellen! Ja, steinigt mich jetzt, aber jeder der sagt, dass man trotz des Babys oder Kleinkinds genügend Zeit für einen Hund hat, der hat schlichtweg noch kein Baby gehabt!

Ich verstehe, warum Hundebesitzer solche Anzeigen online stellen!

 

Ich möchte jetzt nicht darüber ningeln, wie anstrengend das Leben mit einem Baby ist, sondern euch vielmehr die Augen dafür öffnen, dass hinter solchen Anzeigen immer viel mehr steckt.

„Das Leben mit einem Baby ist doch so einfach. Es schläft die ganze Zeit oder will was trinken. Dir muss ja furchtbar langweilig sein.“
Sagen wir es so, ich habe ein furchtbar unkompliziertes, einfaches Baby. Wenn andere Eltern sich dann doch mal darüber auskotzen, wie anstrengend es ist, nachts aufzustehen oder wenn sie erzählen, dass der kleine Wurm alle zwei Stunden trinken will, obwohl er schon fünf Monate alt ist, dann werde ich mucksmäuschenstill. Derartige Probleme hatten wir nie.

Abby Hundekind Fiffibene Hundeblog

„Ich habe Glück: Mein Baby ist recht unkompliziert – und trotzdem habe ich kaum Zeit für andere Dinge.“

Dennoch weiß ich, was es heißt, plötzlich für nichts mehr Zeit zu haben. Nichts mehr zu schaffen. Ein Baby will Aufmerksamkeit, Fürsorge und ganz viel elterliche Nähe. Die bekommt unser Baby auch und ich genieße jede Minute davon. Das heißt aber auch, dass ich gerade einmal dazu komme, täglich zu fegen, damit Abbys Haare nicht überall herumfliegen. Wäsche waschen oder gar irgendetwas putzen? Nicht mit mir! Dazu komme ich nicht. Aber wenn ich das schon nicht schaffe, wie soll das dann eine Mama schaffen, die ein „normal anstrengendes“ Baby zu Hause hat – oder gar schlimmer?

Man stillt nicht mal eben nebenher!

 

Was viele zum Beispiel nicht wissen: Babys stillt man nicht einfach mal so nebenbei. Stillen ist nicht einfach. Es kann vorkommen, dass ein Baby pro Trinkeinheit eine dreiviertel Stunde braucht – und das alle zwei Stunden. Wann soll die Mama dann mit dem Hund Gassigehen oder den Hund artgerecht beschäftigen?

Ich sage es euch: Es ist nicht möglich!

Dann hört die Mutter oft:

„Aber der Papa könnte das ja übernehmen?!“

Genau, der Papa, der täglich acht Stunden (hart) arbeitet, um die Familie zu ernähren. Der soll dann auch noch den Haushalt schmeißen, zu dem die Mama nicht mehr kommt?! Der soll dann das Essen zubereiten, damit die Mama auch endlich mal etwas isst?! Der soll gleichzeitig auch noch mit dem Hund vor die Tür? Ich wiederhole mich ungern, aber: Das geht nicht!

Klar könnte man jetzt sagen: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“. Die erste Zeit mit einem Baby ist allerdings verdammt anstrengend. Alle Gedanken kreisen um dieses kleine Wesen. Alles andere blendet man mehr oder weniger aus.

Alle Gedanken kreisen um dieses kleine Wesen…

 

Wir persönlich sind Eltern, die ihr Baby lieber in ein Tragetuch stecken als in den Kinderwagen.

„Ja klasse, dann könnt ihr doch täglich mit dem Hund spazierengehen!!“

Mmmnh…, dachten wir auch. Leider hat sich Abby das ein oder andere schlechte Verhalten angewöhnt – an dem wir nicht unschuldig sind. Ein Spaziergang mit dem Baby im Tragetuch wäre zu gefährlich, da wir stürzen könnten.

„Alles Ausreden!!“

Schön wär’s!

Fakt ist, wenn man im Winter ein Baby bekommt, leidet der Hund wahrscheinlich noch viel mehr unter Vernachlässigung als im Sommer. Ich bin schon ohne Baby abends nie in den dunklen Wald gegangen, weil es mir einfach zu gruselig und zu gefährlich war. Die Gassirunden haben wir daher vorverlegt.

Irgendwann möchte man einfach auch zur Ruhe kommen…

 

Inzwischen sind die Tage aber wieder länger. Einer könnte mit Abby spazierengehen, während der andere das Baby ins Bett bringt. Ja, hätte man nicht irgendwann einfach die Schnauze voll von dem Tag. Es ist schließlich alles anstrengend. Irgendwann möchte man auch mal zur Ruhe kommen.

Wir mussten die Reißleine ziehen…

 

Gehetzt, gestresst, müde, so haben wir uns die vergangenen Wochen gefühlt. Hinzu kam, dass sich Abbys Verhalten drastisch ins Negative verändert hat.

Abby Hundekind Fiffibene Hundeblog

„Wir mussten die Reißleine ziehen…“

Schließlich haben wir uns so sehr gestritten, dass wir die Reißleine ziehen mussten: Wir haben beschlossen, die nächsten Wochen intensiv für Abbys Training zu nutzen –  abends, wenn einer das Baby ins Bett bringt. Das Ziel: Dass Gassigehen soll tagsüber wieder problemlos möglich sein – mit Baby im Tuch. Und: Abby soll es endlich wieder besser gehen. Sie soll sich wieder geliebt und gebraucht fühlen.

Abby soll es endlich wieder besser gehen. Sie soll sich wieder geliebt und gebraucht fühlen.

Abby Hundekind Fiffibene Hundeblog

„Geht den harten Weg!“

Was ich damit sagen will: Wenn jemand so eine Anzeige ins Netz stellt, dann ist er überfordert. Überfordert mit der Tatsache, seine ganze Zeit nur noch dem Baby zu widmen. Überfordert mit der Tatsache, dass Essen und Duschen zum Luxus werden. Überfordert damit, dem Hund nicht mehr gerecht zu werden. Ich bin mir sicher, dass die meisten Besitzer so eine Anzeige nicht leichtfertig ins Netz stellen.

…auch ich hatte überlegt, Abby wenigstens für ein paar Wochen in Pflege zu geben…

 

Und ich muss an dieser Stelle offen zugeben: Auch ich hatte überlegt, Abby wenigstens für ein paar Wochen in Pflege zu geben. Das war zu einer Zeit, in der wir uns durch eine schlimme Stillkrise gekämpft haben. Alles hat sich dadurch noch viel mehr um das Baby gedreht und Abby stand immer und überall im Weg. Aber: Sie hat nicht gestört. WIR waren einfach nicht in der Lage, uns so um Abby zu kümmern, wie sie es erwartet hat und – verdammt noch einmal – auch verdient hat.

Warum haben wir sie dennoch nicht in Pflege gegeben?

… weil sie mir, uns, verdammt fehlen würde

… weil uns ihr Tapsen und ihr Im-Weg-Herumstehen fehlen würden

… weil unser Baby sie vermissen würde.

Abby Hundekind Fiffibene Hundeblog

Ein Leben ohne Abby? Nicht möglich!

Deswegen haben wir den harten Weg gewählt. Wir verzichten noch mehr auf Zeit für uns, damit wir Abby wieder mehr Aufmerksamkeit schenken können. Aber: Es ist hart! Das benötigt Durchhaltevermögen und vor allem einen Partner, der dazu bereit ist, das mitzumachen.

Wir lieben unsere Abby. Sie ist unser Hundekind. Unsere Kinder lassen wir nie im Stich!

 

Es wird nicht einfach, aber wir wissen, dass wir es wollen, weil wir unsere Abby lieben, weil sie unser Hundekind ist und weil wir unsere Kinder nie im Stich lassen würden.

Wählt den harten Weg!

 

Daher ein Appell an alle Eltern da draußen, die meinen, sie würden dem Hund nicht gerecht werden:

Ihr schafft das! Alles was ihr tun müsst ist, durchhalten und schauen, wie es für euch machbar ist. Es ist zu schaffen. Ihr müsst es nur wollen!!!

Liebe Grüße,
Abby und Diana

 

Über Diana und Abby

Auf Hundekind Abby – der Hundeblog, schreiben Diana und Abby über ihre Erlebnisse, das Zusammenleben, testen Produkte und zeigen, was es wirklich heißt, Hund und Baby unter einen Hut zu bringen. Abby ist nämlich nicht nur Dianas Hundekind, sondern inzwischen auch die große Schwester und Beschützerin vom kleinen Menschenkind. Zusammen übersteht das Rudel gerade die unvergessliche Zeit mit einem Säugling. Schaut doch mal vorbei: mit einem Click zum Hundeblog von Diana und Hundekind Abby.

 

Neele
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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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5 Kommentare

  1. Was für ein toller und ehrlicher Artikel. Ich musste ganz schön schlucken… Mir käme auch nie in den Sinn, Moe abzugeben. Aber ich kann euch sehr gut nachvollziehen. Ich wünsche euch viel Kraft und Durchhaltevermögen, damit ihr den Weg weiter gehen könnt und die Zeiten ändern sich sicher auch wieder.
    Liebe Grüße
    Nicole

  2. Linda ist schon eifersüchtig, wenn ich mal das Baby meiner Kollegin für eine Stunde hüten muss, denn man kommt zu gar nichts… (und natürlich auch nicht zu Linda).

    Liebe Diana, ich fühle nicht nur deshalb mit Dir. Mir sind Konflikte, in denen man nicht mehr allem gerecht werden kann nicht fremd. Der Tag hat schließlich nur 24 Stunden. Ich hoffe sehr für Euch 4, dass Euer Plan nun aufgeht und bald wieder bessere geruhsamere Tage kommen mögen.

    LG Andrea

  3. Liebe Diana, liebe Neele,

    ich habe gerade Gänsehaut beim Lesen des Artikels bekommen! Ich würde Mailo auch nie abgeben, und eher den harten Weg wählen – aber das sage ich jetzt. Wir haben ja noch keine Kinder, aber neben Mailo auch noch ein Pferd. Ganz bewusst habe ich mich damals für nur ein „halbes Pferd“ entschieden, weil ich nicht möchte, dass irgendwann eines der Tiere leiden muss. Denn eines ist auch klar: wir wollen Kinder.
    Ich hoffe, dass diesen Artikel ganz viele Leute lesen und auch Mut bekommen, weiterzumachen! 🙂

    Liebe Grüße,

    Claudia

  4. Anne sagt

    Toll geschrieben! Man muss es tatsächlich erlebt haben um es zu verstehen 😀 viel Spaß beim zweiten Kind, da wird es dann noch lustiger, spannender, chaotischer… 😝

  5. Liebe Diana, danke für dein ehrliches Statement zu dem Thema. Dein Artikel hat mich sehr berührt und ich finde es toll, dass ihr den „harten“ Weg gewählt habt. Ich selber habe keine Kinder, aber mir fällt die Veränderung bei vielen Eltern hier im Umfeld häufig auf und mich machte es oft sehr traurig, die Hunde oft einsam hinter den Kinderwagen herlaufen zu sehen. Jetzt nach deinem Bericht sieht man die Situation auch als Aussenstehender anders.
    LIebe Grüße und ich wünsche mir das viele frischgebackene Eltern deinen Artikel lesen
    Sali

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