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Woher ein Hund stammt, darf nicht über sein Schicksal entscheiden!

Auslandstierschutz Hunde

Unser Autor Christoph Detmer ist über oben stehenden Post auf Facebook gestolpert. Ein Post, der wie ein Werbeslogan klingt. Das, was sich dahinter verbirgt, hat unseren Autor mehr als verärgert. Ein kritischer Beitrag zum Nachdenken.

Ein deutsches Tierheim hatte auf facebook einen Beitrag gepostet, in dem es um die Adoption von Hunden aus dem Ausland geht. Um ehrlich zu sein, ich war zuerst erschrocken und dann, um es zivilisiert auszudrücken, verärgert. Warum? Das möchte ich im Folgenden erklären.

Im ersten Satz des Posts hieß es, „auch wir sind der Meinung dass man den besten Freund des Menschen im Tierheim findet und nicht aus dem Ausland holen muss.“ Dieser Satz hat mich im ersten Moment sogar schmunzeln lassen. Er klingt fast wie ein Werbeslogan für den Tourismus, „Einen schönen Urlaub kann man auch in Deutschland verbringen, warum ins Ausland reisen“. Dann wurde ich schon etwas nachdenklicher. Es wurde geschrieben, man sei nicht prinzipiell gegen den Auslandstierschutz (bei einem Tierheim und gleichzeitig Tierschutzverein setze ich das voraus!!!!) und auch nicht gegen Menschen, die Tiere aus dem Ausland adoptieren (das wäre ja auch noch schöner).

Man hilft mit regelmäßigen Futter- und Sachspenden (ein ehrliches DANKESCHÖN), hat sich aber gegen die Aufnahme von Tieren aus dem Ausland entschieden, weil man sich den inländischen Hunden besonders verantwortlich fühlt (muss man so akzeptieren). Es schmerzt die Verfasser zu sehen, dass oft tolle Hunde keine Chance bekommen und Pflegestellen kaum zu finden sind (das schmerzt mich auch, aber unabhängig von der Nationalität des Hundes und in welchem Land er sich in einem Tierheim befindet). Wenn ich weiterhin lese, dass dieses Tierheim feststellen muss, dass es immer mehr unseriöse Organisationen gibt, die mit falschen Behauptungen möglichst viele Tiere nach Deutschland holen, die neuen Besitzer dann überfordert sind und die Tiere schließlich in deutschen Tierheimen landen, werde ich schon etwas ärgerlich.


Schwarze Schafe und 283 Hunde

Klar, es gibt diese schwarzen Schafe unter den Organisationen, das ist unbestritten. Aber es ist nicht so, dass diese schwarzen Schafe in der Überzahl sind. Und wegen dieser schwarzen Schafe die „Grenzen für Hunde aus dem Ausland dicht machen“, geht in meinen Augen gar nicht. Völlig willkürlich habe ich mir die Seiten von 4 Tierheimen größerer Städte angesehen. Gefunden habe ich dort insgesamt 283 Hunde, davon war bei 13 Hunden angegeben, dass sie ursprünglich aus dem Ausland adoptiert worden waren. Natürlich sind diese Zahlen für die Gesamtheit der deutschen Tierheime nicht repräsentativ, aber trotzdem frage ich mich, wo denn all die Hunde aus dem Auslandstierschutz sind, die wegen Überforderung der Halter in deutschen Tierheimen landen? Aufgefallen ist mir jedoch, dass sich sehr viele Schäferhunde, Rottweiler, Kangals und Staffordshire Terrier in den Heimen befinden.

Das Problem liegt woanders…

In dem facebook-Post des Tierheims wird der Eindruck erweckt, Hunde aus dem Auslandstierschutz tragen mit Schuld daran, dass so viele „deutsche“ Hunde nur schwer zu vermitteln sind. Das ist in meinen Augen falsch. Natürlich, in dem Moment wo ich einen Hund aus dem Ausland adoptiere, adoptiere ich wahrscheinlich keinen aus einem deutschen Tierheim. Sehe ich aber auf den überwiegenden Teil der Rassen in deutschen Tierheimen, gehe ich eher davon aus, dass hierin das Problem zu sehen ist. Nicht Jeder traut sich einen Rottweiler oder Schäferhund zu. Einige Menschen schrecken bestimmt auch vor der Hundesteuer zurück, die für einen „Listenhund“ (ein absolutes Scheißwort) zu entrichten ist. Und auch nicht jeder fühlt sich einem Kangal gewachsen. Außerdem können auch diese Tiere ebenso viele Probleme machen wie ein Hund aus dem Ausland. Kein seriös agierendes Tierheim dieser Welt wird einen Hund mit einer Garantie für problemloses Verhalten des Tieres abgeben.

Geld, Geld, Geld

Weiter heißt es, „Die Orga’s wollen von den Tieren dann nichts mehr wissen und haben viel Geld für die Vermittlung kassiert. In solchen Fällen wäre es sinnvoller, wenn das Geld in Tierschutzprojekte vor Ort investiert würde. Jedes kastrierte Tier vor Ort bedeute die Verhinderung von neuem Tierleid“. Das ist zum Teil richtig, zum Teil aber auch falsch, bzw. fernab der Realität. Ja, es gibt leider Organs, die von einmal vermittelten Tieren nichts mehr wissen wollen. Aber unabhängig davon, was wird von seriösen Organisationen denn mit dem Geld gemacht, das für eine Adoption bezahlt wird? Betriebsausflüge? Feste feiern, wie sie fallen? Ein Besuch im nächsten Spielcasino? Nein, das Geld wird verwendet, um Tierschutzorganisationen im Ausland bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Mitglieder dieser Organisationen arbeiten ehrenamtlich, bekommen in den wenigsten Fällen öffentliche Gelder und sind für die Versorgung der Tiere auf Spenden angewiesen. Die Spenden- und Adoptionsbereitschaft in Ländern wie Spanien, Italien, Rumänien oder Ungarn ist nicht besonders stark ausgeprägt und ohne Menschen aus anderen Ländern, die die Tiere adoptieren, wäre die Lage mehr als aussichtslos. Die Verpflegung kostet Geld, die medizinische Versorgung auch, die Einrichtungen müssen instand gehalten werden, man braucht Strom und Wasser.

Sind Kastrationsprogramme die Lösung?

Dann wären da auch noch die Kastrationsprogramme. Auch diese kosten Geld, Geld welches irgendwoher kommen muss. Davon einmal abgesehen, Kastrationsprogramme lösen das Problem „Straßenhunde“ nicht. Kastrationsprogramme mildern ein Symptom. Wieviel Hunde bzw. Gruppen von Hunden verkraftet ein Gebiet bestimmter Größe? Was wäre denn, wenn die ganzen Hunde, die jetzt in den Tierheimen sitzen, wieder in die angebliche „Freiheit“ entlassen würden? Wie sähe es aus, wenn es in einem Gebiet, in dem jetzt vielleicht 40, 50 oder 60 Hunde herum streunen, plötzlich die doppelte oder sogar dreifache Anzahl Tiere leben und auf Nahrungssuche gehen würden? Hat sich einmal jemand gefragt, wie die dort lebenden Menschen darauf reagieren? Schon jetzt ist es eine beliebte Freizeitbeschäftigung, den Streunern nachzustellen, sie zu quälen, absichtlich mit dem Auto zu überfahren oder schlicht und ergreifend zu erschlagen.

Ursachenbekämpfung

Wichtig wäre es, die eigentliche Ursache zu bekämpfen. In den Ländern, um die es geht, werden Hunde und Katzen seit Generationen als eine Sache angesehen, die man nach Belieben entsorgen kann. So wie in Deutschland ein ausgedienter Teppich irgendwo in freier Natur entsorgt wird, werden die Tiere ausgesetzt. So wie ein paar alte Schuhe in die Mülltonne geworfen werden, werden Hund in einer Tötungsstation abgegeben. Die Einstellung der Menschen muss geändert werden. Eine Einstellung, die aber seit Generationen in den Köpfen etabliert ist, lässt sich nicht über Nacht, nicht innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen ändern. Es wird Generationen dauern.

50000 Galgos

Was also soll mit den Hunden bis zu diesem Zeitpunkt geschehen? Außerdem würde sich die Anzahl der Straßenhunde trotzdem kontinuierlich erhöhen: Jedes Jahr werden in Spanien mehrere zehntausend Tiere (Schätzungen gehen alleine von ca. 50000 Galgos am Ende der Jagdsaison aus) ausgesetzt bzw. auf der Straße entsorgt. Würden keine Hunde mehr aus dem Ausland adoptiert, wären die örtlichen Tierheime und Tierpensionen in kürzester Zeit an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Die Folge: noch mehr Straßenhunde, noch mehr sich daraus ergebende Konflikte und mit Sicherheit eine noch größere Anzahl von gesunden, aber überflüssigen Tieren, die in den städtischen Tierheimen mit teils mehr als zweifelhaften Methoden vom Leben zum Tod befördert werden.

Hunde gegeneinander ausspielen

Wenn ich jetzt noch einmal lese, „Auch wir sind der Meinung das man den besten Freund des Menschen im Tierheim findet und nicht aus dem Ausland holen muss“, kann ich nicht mehr schmunzeln, dieser Satz ärgert mich nicht einmal, er macht mich einfach nur traurig, gerade weil er von Tierschützern stammt. Jeder Hund der irgendwo auf der Welt in einem Tierheim oder gar auf der Straße leben muss, ist ein Hund zuviel. Mir ist es völlig egal, ob ein Hund aus einem deutschen, einem rumänischen, einem griechischen oder einem Tierheim eines anderen Landes adoptiert wird. Ich freue mich für jede Seele, die das Glück hat, ein hoffentlich besseres Leben führen zu dürfen. Deshalb ist es für mich nur schwer zu ertragen, wenn in und mit dem facebook-Post zumindest unterschwellig davor gewarnt wird, Hunde aus dem Ausland zu adoptieren. Leute, hier werden Hunde gegeneinander ausgespielt. Das geht gar nicht. Davon einmal abgesehen: Wo Geld im Spiel ist, gibt es immer schwarze Schafe, selbst unter deutschen Tierheimen und deutschen Züchtern. Ach ja, Vorsicht beim nächsten Autokauf, man könnte das Fahrzeug vielleicht von einem schwarzen Schaf dieser Branche erwerben, wie war das noch mit den Abgaswerten?

Bis jetzt ist es in der Hauptsache um unseriöse Organisationen, überforderte Halter, Probleme von Tierheimen und Kastrationsprogramme gegangen, die Hunde selbst sind leider mehr oder weniger in den Hintergrund geraten. Die Hunde aber, um die es eigentlich geht, möchte ich zum Abschluss gerne selbst zu Wort kommen lassen.

Junkyard-Dogs

Wir waren 25, haben gelebt zwischen Müll und rostigem Eisen,
wurden gejagt und gequält aus reinem Vergnügen,
haben täglich gekämpft um unser Überleben,
wir waren die Junkyard-Dogs.

Wir waren die Ungeliebten, die Gehassten,
die Vergessenen und Namenlosen,
waren die, die niemand haben wollte,
wir waren die Junkyard-Dogs.

Wir sind geflohen vor schlagenden Händen,
sind geflohen vor tretenden Füßen,
sind aus Angst sogar geflohen vor uns selbst,
wir waren die Junkyard-Dogs.

Ein paar Menschen haben uns gerettet,
haben uns die Hand gereicht,
haben uns die Chance auf ein Leben gegeben,
wir waren die Junkyard-Dogs.

Viele sind noch heute das, was auch wir einmal waren,
es gibt sie noch, die Magdas und Dantes,
die Amelies, Telmos und Pippers,
es gibt sie auch heute noch, die Junkyard-Dogs.

Sie leben und sterben auf den Straßen,
werden entsorgt wie nutzloser Müll,
werden zu Tode gequält in Tötungsstationen,
wollen dabei doch nur ihr Leben leben,
es sind die Junkyard-Dogs dieser Welt.

Zu den Autoren des Fiffibene Hundeblogs geht es hier: click.

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Neele

Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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