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Hunde kennen keine Grenzen – und davon profitieren wir

Il Bagnolo am Gardasee mit Hund Hundeblog


Indem wir die Beziehung zu unserem Hund verbessern, entwickeln wir uns unweigerlich selbst weiter. Denn laut Experten ist der Mensch schuld, wenn sein Hund „auffällig“ wird (Holt den Hund runter vom Sofa). Entweder sind es „Sprachbarrieren“ oder eine falsche Einstellung des Halters, die zu Problemen zwischen Hund und Mensch führen.

Bereits in weniger dramatischen Fällen wird uns bewusst, wie sehr wir mit unseren Hunden verbunden sind, wie unmittelbar unser Verhalten auf das Gegenüber Hund wirkt. Hunde und auch andere Tier, mit denen wir eng zusammen leben, geben uns prompt Feedback. Ob wir das wollen oder nicht. Es ist eine Chance für uns. Wir können viel von Hunden und Tieren im allgemeinen lernen.

Menschen sind oft nicht bei sich wie es Autor Boris Grundl (Mach mich glücklich: Click) sagt. Wir sind die meiste Zeit durch unser überstarkes Ego, den Erwartungen, die andere an uns, aber vor allem auch wir an uns selbst haben verblendet. Wie oft fühlen wir uns gekränkt, nicht genügend beachtet oder respektiert? Wie oft hadern wir mit dem Schicksal, sind deprimiert, starr vor Angst oder unsicher? Das alles bedeutet laut Grundl, dass wir nicht bei uns sind.

Menschen sind ab einem bestimmten Zeitpunkt in ihrer Entwicklung (zumeist Pubertät) getrennte Wesen. Getrennt von anderen, getrennt von der Natur und irgendwann auch getrennt von sich selbst. Nur wenige sind in echtem Kontakt. Viele leben ein Leben, das von einer „Schneller, höher, weiter“-Mentalität geprägt ist. Das Leben rauscht vorbei. Jeder will immer ein wenig besser sein als der andere. Der Antrieb zahlreicher Menschen gründet überhaupt erst in dieser Art des Denkens. Ziele gilt es zu erreichen, möglichst schnell, möglichst bequem und gern auch auf dem Rücken der anderen. Dabei verliert man sich nicht nur selbst aus dem Blick, sondern auch alle anderen – inklusive unserer Tiere.

Denn auch die Beziehung zu unseren Tieren bleibt nicht verschont von Erwartungen, Ego, Zielen. Damit erreichen wir aber genau das Gegenteil. Wenn wir nicht bei uns beginnen, werden sich die Beziehungsprobleme zu unseren Hunden nicht in Luft auflösen. Auch dann nicht, wenn man sich von oberflächlichen Erziehungs-Kursen, Trainings, Drill-Einheiten Besserung verspricht. Das erleichtert vielleicht zunächst das Gewissen, denn man bemüht sich ja und macht und tut. Das Ergebnis beschränkt sich allerdings auf einen dünner werdenden Geldbeutel und viel Frust-Stau.

„Keine gute Bindung“. „Keine echte Beziehung“. „Der Mensch muss bei sich anfangen, bevor er am Hund herumdoktert“, so oder so ähnlich hört man es von einigen wenigen Trainern, wenn sie ihren Schützlingen erklären, warum ihr Hund sich nicht an ihnen orientiert, warum er nicht hört, warum alles andere spannender ist als sein Mensch. Meine Beobachtung sagt mir: Recht haben sie.

Ich selbst kenne dieses Phänomen. Ich merke an Wilma, wenn ich nicht bei mir bin. Abgelenkt durch Gedanken, die in meinem Kopf Rodeo reiten, durch ein klingelndes Handy und steigenden Zeitdruck verliere ich nicht nur den Kontakt zu mir, sondern auch zu Wilma. Denn jedes Mal, wenn ich unruhig, nervös, gehetzt oder einfach nicht „da“ bin, spiegelt Wilma mir diesen Zustand ganz unverblümt und direkt: Ziehen an der Leine, Nervosität, Ohren auf Durchzug, Rotzlöffel-Manier, kein Miteinander.

Wilma ist mein Stimmungs-Radar und zwingt mich mit ihrem Verhalten automatisch inne zu halten, zurück ins Hier und Jetzt zu kommen, mehr Schnecke und weniger Rennmaus (Link) zu sein. Und siehe da, wenn ich mein Verhalten ändere, ändert sich Wilmas im Gleichklang ebenso.

Zwischen uns und unseren Hunden besteht – wenn wir es zulassen – eine unglaublich tiefe Verbindung. Den Großteil davon ermöglicht eine besondere Fähigkeit unserer Hunde: Eine einzigartige Form von Verbundenheit. Eine unverblümte, unverstellte, unreflektierte, unendliche, grundlose, direkte Beziehung.

Rüdiger Dahlke beschreibt es treffend in seinem Buch „Das Tier als Spiegel der menschlichen Seele“: „…Haustiere begegnen uns als Einzige mit jener vorbehaltlosen Offenheit, die weder durch Ich noch Ego verstellt ist; sie bauen noch keine künstlichen Grenzen auf, von deren Errichtung unser Ego lebt“. Daher durchleben Hunde alles und „schwimmen im Leben mit, sind eins mit dem Leben und allem um sie herum“.

Dieses Einssein mit ihrer Umwelt und vor allem ihren Herrchen und Frauchen geht so weit, dass Hunde laut Dahlke nicht nur helfen, seelische Missstände oder Stress aufzuheben. Dahlke entdeckte zudem Parallelen zwischen den Krankheiten von Haustieren und ihren Besitzern. Da sie in engem Verhältnis zueinander stehen, entspricht sich vieles bei ihnen und spiegelt sich wider – auch in Bezug auf ihre Krankheitsbilder.

Dabei seien die Symptome der Tiere Botschaften an die Seele ihrer Besitzer. Seine Theorie: „Haustiere werden offenbar so sehr eins mit „ihren“ Menschen, dass die Grenzen zwischen beiden verschwimmen und sie die menschlichen Themen und Probleme … wie eigene erleben und übernehmen.“ Tiere können uns Symptome und Krankheitsbilder abnehmen und sich für uns opfern. Sie verdeutlichen uns am eigenen Leib unsere Probleme und öffnen dadurch unser Bewusstsein dafür.

Vielleicht helfen wir unseren Hunden, indem wir mehr für uns und sie da sind.

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Neele
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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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10 Kommentare

  1. Hallo Neele,

    das ist ein sehr interessanter Artikel. Ich muss zugeben, dass ich bisher nicht auf die Idee gekommen bin, dass mein Hund so extrem auf meine Stimmung und Gesundheit reagiert. Das werde ich genauer beobachten. Das Odie gerne zu mir kommt, wenn ich trauriger bin oder er sich direkt blicken lässt, wenn eines meiner Kinder sich verletzt hat, das ist normal. Und auch ich spüre direkt, wenn er etwas hat oder sich nicht gut fühlt. Ich bin immer sehr fasziniert von diesem unsichtbaren Band und das wir uns auch ohne Worte verstehen <3

    Viele liebe Grüße
    Sina

    • Liebe Sina, ich bin gespannt, was du noch beobachtest. Dieses Band ist wunderbar und faszinierend zugleich. Tiere sind uns so sehr verbunden, darüber staune ich immer wieder. Aber vielleicht ist es gar nicht so ungewöhnlich, wenn man bedenkt, wie sehr wir unsere Tiere auch lieben, in die Familie integrieren und uns um sie sorgen, wie um andere, die wir lieb haben. Hunde sind so sensibel und sozial, ich bin froh, dass auch meine Tochter mit Wilma aufwächst <3
      Liebste Grüße von uns allen

  2. Schön geschrieben der Text.

    Traurig, dass so viele Menschen ihre „Problemhunde“ aussetzen, nur weil sie nicht bereit sind zu erkennen, dass sie an sich arbeiten müssen. Der Hund ist der Spiegel des Menschen und wenn man sich ständig über das Verhalten des Hundes aufregt, wird alles nur noch schlimmer.

    Wie heißt es doch so schön: In der Ruhe liegt die Kraft.

  3. WoW wirklich toller Artikel ! Wir können dem ganzen klar zustimmen und erleben es auch jeden Tag mit unserer Lara . Wir beobachten unseren Hund und lernen von Ihr, seit wir das machen funktioniert die Kommunikation hervorragend. Unser Fazit : Hunde spüren unsere Emotionen, Stress usw… und wenn man möchte das der Hunde einen versteht sollte man erstmal schauen dass man runterkommt … dann funktioniert es auch mit dem Hund .
    Toller Blog mach weiter so …
    Beste Grüße
    Lili

  4. Ein wunderschöner und sehr passender Bericht. Genau so erlebe ich das auch, mit meinen eigenen Tieren und denen der Klienten. Und ganz sicher ist es so, dass wir den Hunden helfen, indem wir mehr für sie und für uns da sind. Einfach „da Sein“. Nicht ständig irgendeine Aktion machen.

  5. Christoph sagt

    Wie wahr, wie wahr. Hinter jedem Satz des Artikels kann man ein Ausrufezeichen setzen. Telmo war als Angsthund zu uns gekommen und hatte extrem sensibel auf unsere Stimmungen reagiert. Waren wir mit dem Kopf noch bei der Arbeit oder anderen Dingen die uns beschäftigt hatten, war jegliches Training nicht nur umsonst, er war dann sogar noch mehr verunsichert. Also mussten wir sehr schnell lernen uns nicht vollständig vom Alltagsstress vereinnahmen zu lassen. Dadurch, dass und wie er auf uns reagiert hatte, hatte er uns geholfen die Momente zu erkennen in denen wir nicht für ihn da waren. Wenn mal so will, war und ist Telmo unser Coach und wir hatte gelernt ruhiger zu werden, Dinge ganz bewusst auszublenden und Stress auch einfach einmal abschütteln zu können. Heute ist es so, das wir z. B. jeden Spaziergang mit ihm als eine Möglichkeit sehen, nicht einfach nur neben einem Hund durch die Gegend zu laufen, sondern mit ihm zusammen einen Spaziergang bewusst zu erleben, bei ihm zu sein und mit ihm zu kommunizieren (oft lautlos aber für uns und Telmo trotzdem deutlich hörbar).
    Herzlich Grüße, Christoph

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