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Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 10

Tierheim Hund

 

Lou ist wohl das, was landläufig als „Hund mit geringen Chancen auf ein Leben ausserhalb des Tierheimes“ bezeichnet wird. Die Prognosen „schwer vermittelbar“ bis „aussichtslos“ schienen auf seiner Stirn zu prangen. Einem jungen Rüden, der in seinem Leben nichts falsch gemacht hat, sondern einfach in die falschen Hände geraten ist, geben Annika und ihr Mann Sebastian eine zweite Chance.

Von Gastautorin Annika

*Fortsetzung* – Lest auch Episode 1, 2 und 3 und 4: Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 1Episode 2Episode 3Episode 4Episode 5 und Episode 6, Episode 7, Episode 8 und 9.

Episode 10: Der Amtsveterinär

Ich hatte also einen Termin mit dem Amtsveterinär ausgemacht. Um 11 Uhr morgens, da ich am Tag des Termins sowieso einen Tag frei genommen hatte. Der Amtsveterinär wollte zu uns nach Hause kommen. Immerhin. Besser er kommt zu uns in Lou´s vertraute Umgebung, als dass wir ihn zu einer vollkommen unbekannten Umgebung schleppen müssten.

An dem besagten Tag war ich gerade am Essen kochen, als es um 10 Uhr an der Tür klingelte. Lou sprang auf und bellte (daran arbeiten wir noch). Nun, der Amtsveterinär wollte ja um 11 Uhr kommen. Bei erwartetem Besuch kommt Lou vorher an die Leine; das war er um 10 Uhr natürlich noch nicht. Über die Gegensprechanlage bekam ich keine Antwort (oder konnte sie durch das Bellen vielleicht auch nicht hören). Ich öffnete. Lou hielt ich am Halsband fest und öffnete vorsichtig die Tür für einen Spalt, um zu sehen, ob da jemand stand oder vielleicht auch einfach nur von unten ein Paketbote oder ähnliches hoch rief. Es stand ein mir unbekannter Herr vor der Tür.

Ich steckte den Kopf durch die Tür und fragte ziemlich dämlich: „Und Sie sind…?!“ Der Herr antwortetet mir: „Xyxyxy (Name)?“ Oh Mist, das war ja schon der Amtsveterinär!…. Als es um den Termin ging hatte der Herr mir 10 und 11 Uhr zur Wahl gestellt. Ich überließ ihm die Entscheidung, da ich eh zu Hause war und er sagte 11 Uhr. Sich selbst hatte er aber wohl 10 Uhr notiert. Mmmh. Die vernünftige Begrüßungssituation war schon einmal fehlgeschlagen. Grandios. Lou war natürlich dabei Terror zu machen, weil er den Besucher unbedingt kontrollieren wollte. Ich erklärte dem Herrn, dass das bei geplantem Besuch eigentlich anders laufen würde, und dass Lou ihn jetzt abschnuppern (kontrollieren) wollen wird und dabei etwas ungestüm sei, aber er ihm nichts tun wird. Ob das für ihn in Ordnung sei. Er bejahte dies und trat ein.

Ich hielt Lou fest und ließ ihn nur langsam an den Mann, da Lou in seiner stürmischen Art sonst sehr trampelig ist. So konnte er ihn halbwegs vorsichtig nach und nach beschnuppern. Das ist so nicht unser Therapieziel, aber unter diesen Umständen die beste Möglichkeit gewesen. Gesagt, getan. Danach schickte ich Lou auf seine Decke und nahm mit dem Amtsveterinär am Tisch Platz. Es folgte die Aufnahme von Lou`s Daten (Chipnummer, Rasse etc.) und er fragte nach dem Vorfall, der gewesen sein soll. Also schilderte ich den letzten Vorfall. Ich glaube, der nette Herr fand es selbst nicht sonderlich sinnig, dass er bei uns sitzen musste. Denn auch er sagte, dass ja quasi nur ich selbst zu Schaden gekommen sei und fragte nach dem Grund der Meldung. Und „Angst“ tat ihm zwar vielleicht leid, aber er meinte, dass es ja auch Menschen gäbe, die grundsätzlich Angst vor Hunden hätten, er aber da ja auch nicht gerufen wird bzw. etwas daran ändern könnte. Zwischenzeitlich machte Lou immer mal wieder Anstalten von seiner Decke aufstehen zu wollen, so dass ich das Gespräch unterbrechen und Lou auf seine Decke zurück komplementieren musste. In der Wohnung funktioniert Lou, bis auf Klingeln und Besuch begrüßen, glücklicherweise schon ziemlich gut, so dass er sich recht gut von mir zurückweisen ließ.

Im weiteren Verlauf schilderte ich dem Amtsveterinär dann noch grob Lou´s Herkunft und Geschichte und dass wir genau wissen, was wir uns angeschafft haben und dies auch nicht verschweigen oder beschönigen müssten. Nachdem der Herr alles aufgenommen hatte, wollte er nicht einmal mehr mit uns raus gehen – zu meiner Verwunderung. Er meinte, er sähe ja, dass ich den Hund im Griff hätte und wir mit ihm arbeiten. Wichtig sei, DASS wir mit ihm arbeiten, was wir ja bereits tun.

Tierheim Hund

Dennoch, da er ja nun einmal vor Ort war und Lou ja Probleme hat, müsse er uns quasi schon als Absicherung eine Maulkorbpflicht, Leinenpflicht und Hundetrainingspflicht auferlegen. Es würde sich ja für uns daher nichts ändern, da wir das alles schon tun. Wir hatten das leider befürchtet. Natürlich ändert sich nicht wirklich etwas für uns. Aber Pflicht ist Pflicht. Und die muss irgendwann dann auch wieder weg. Und wenn die Nachbarn sowieso schon auf Fehler von uns fixiert sind, können wir ihm auch nicht mehr auf dem hintersten Feld den Maulkorb abnehmen und ihn für fünf Minuten Gras fressen lassen. Wenn das jemand sieht, sind wir das gefundene Fressen. Nun ja. Alles in Allem kann ich auch hier abschließend nur sagen, dass sämtliche Mitarbeiter des Ordnungsamtes, mit denen wir zu tun hatten, sehr sehr verständnisvoll und fair waren.

Inzwischen haben wir die schriftliche (doch etwas fehlerlastige und lieblos geschriebene) Anordnung für Maulkorb, Leine und Training erhalten, und unseren neuen Maulkorb schon in Verwendung. Einige Zeit nach dem schriftlichen Bescheid flatterte dann nochmals ein ausführlicherer Bericht mit der Anordnung ins Haus – und der Aufforderung für diesen Erlass mal eben 90 Euro hinzublättern! Okay, Gesetzeskram, Schriftverkehr, Erlass … das alles lässt man sich bezahlen. Und die 90 Euro sind noch der Minimalsatz, mit dem wir davon gekommen sind… Manchmal fragt man sich, was da im Rechtswesen falsch läuft. Klar, bei Verkehrsdelikten o.ä. muss man auch eine Strafe und die Bearbeitungsgebühren zahlen. Aber ist das jetzt wirklich fair?!

Es ist niemand zu Schaden gekommen, wir haben alle Maßnahmen sowieso schon freiwillig umgesetzt, stecken viel Arbeit in Lou´s Erziehung, tun einem Lebewesen etwas Gutes und haben das Tierheim um einen Dauerinsassen entlastet. WIR haben keinen leichten Stand in unserem nachbarschaftlichen Umfeld – aber WIR werden neben den Auflagen noch mit solch einer Strafe belastet. 90 Euro hat man ja auch nicht immer mal so übrig… Ja, die Nachbarn sehen das vermutlich anders: Böse Menschen mit bösem Hund! Das ist dann wohl die gerechte Strafe dafür, dass diese Menschen einen bösen Hund halten und die Nachbarschaft in Angst und Schrecken leben muss! …

Fortsetzung folgt am 10. Dezember. Verfolgt jeden Sonntag die Geschichte von Lou, dem Hund aus dem Tierheim.

 

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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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