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Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 12

Tierheim Hund

 

Lou ist wohl das, was landläufig als „Hund mit geringen Chancen auf ein Leben ausserhalb des Tierheimes“ bezeichnet wird. Die Prognosen „schwer vermittelbar“ bis „aussichtslos“ schienen auf seiner Stirn zu prangen. Einem jungen Rüden, der in seinem Leben nichts falsch gemacht hat, sondern einfach in die falschen Hände geraten ist, geben Annika und ihr Mann Sebastian eine zweite Chance.

Von Gastautorin Annika

*Fortsetzung* – Lest auch Episode 1, 2 und 3 und 4: Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 1Episode 2Episode 3Episode 4Episode 5 und Episode 6, Episode 7, Episode 89 und 10 und 11.

Episode 12: Nett gemeinte, bescheuerte Ratschläge

Ich schätze jeder Hundebesitzer kennt es, dass er gelegentlich einen gut gemeinten Tipp bezüglich irgendwelcher Hundeangelegenheiten bekommt, sei es über Erziehung, Futter oder Zubehör. Als Besitzer eines „Problemhundes“ muss man sich ja so manches anhören; dazu gehören auch nett gemeinte, aber eigentlich richtig bescheuerte Ratschläge!

Klassiker sind hier Tipps, die dabei helfen sollen den Hund zum „Funktionieren“ zu bekommen. Hoch in der Ranking-Liste ist hier der Tipp zur besseren Leinenführung: Die – freundlich betitelte – Kontaktleine. Was nichts anderes ist als eine Würgeleine, sei es nun Modell „um den Hals“ oder Modell „um den Bauch“, die sich immer weiter zusammenzieht, je mehr der Hund zieht. Möglicherweise lesen dies auch Hundebesitzer, die solche Leinen verwenden. Nun, es gibt viele verschiedene Erziehungskonzepte. Unseres funktioniert ohne Bestrafung, Gewalt oder Hilfsmittel; der Hund soll einen positiven Sinn darin sehen, neben mir zu laufen. Bei Leinen dieser Art wäre der einzige Grund das Vermeiden von Schmerz. Ebenso empfohlen bekommen haben wir auch schon das Modell „Stachelhals“ – Danke nein! Keine Gewalt.

Es soll jeder selbst entscheiden, welches Konzept er für richtig hält. Wir sind jedoch der Ansicht, dass wir gerade ein Tier, das eh schon Schmerz und Strafe kennengelernt hat, nicht (positiv) mit solchen Hilfsmitteln beeinflussen können. Der Hund vermeidet; es löst aber nicht sein Grundproblem. Im Übrigen, wenn man dann freundlicherweise erwidert, dass man ohne Hilfsmittel arbeite, so sind die Menschen sich oft gar nicht darüber bewusst, dass es sich hierbei um ein solches handelt. „Das ist doch keins. Ist nur eine Leine“ , hört man gerne. Wir haben inzwischen aufgehört, dies weiter auszuführen. Meist nicken wir, bedanken uns für den netten Rat und lassen das Ganze so stehen.

Platz Eins der tollen Ratschläge ist aber noch immer: „Sie bestätigen den Hund ja noch in seinem Verhalten! Sie geben ihm die Leckerchen zum falschen Zeitpunkt. Der Hund ist ja gar nicht entspannt.“ Oh ja, danke für die Info. Hab ich ja noch gar nicht bemerkt, dass der nicht entspannt ist. Seltsam… ist er doch sonst immer… Also mal ehrlich, ich habe dem Hund schon ganz dick auf sein Geschirr „…still learning…“ drucken lassen, und so ganz normal sehen wir draußen ja wohl auch nicht aus. Aber doch hoffentlich irgendwie so als ob wir zumindest ein System hätten. Dem scheint leider nicht wirklich so. Ich kann diesen Satz nicht mehr hören! Am liebsten würde ich den Hund mit einem dicken Schild auf dem Rücken bestücken, auf dem steht „Nicht vermittelbarer Hund aus dem Tierheim. Gute Hundetherapeutin vorhanden. Bitte keine gut gemeinten Ratschläge – wir wissen was wir tun. Leckerchen werden mit System gereicht. Bei Interesse informieren wir gerne ausführlicher über dieses Erziehungskonzept.“ Ich fürchte nur, dass es sich dabei um etwas zu viel Text handelt… .

Aber was soll man tun?! Die Nachbarn meinen es damit ja eigentlich gut und können nichts dafür, dass schon fünfzig Leute vor ihnen diesen tollen Rat gegeben haben. Soll ich da sagen: „Sie haben keine Ahnung, also Fresse halten!“ ?! Nun, das wäre wohl nicht fair. Meine Antworten wie „Wir haben eine gute Therapeutin. Wir geben die Leckerchen schon richtig und außerdem ist Fressen auch Stressabbau. Ja genau, das ist das Problem des Hundes; er ist nie entspannt“, scheinen auch nicht wirklich auf Anklang zu treffen. Ich frage mich manchmal, ob diese Menschen selbst Hunde haben oder schon mal hatten, bei der großen Ahnung über Hundeerziehung… Sehr gerne würde ich auch einmal sagen: „Nehmen Sie ihn doch mal und versuchen es selbst!“ Ich weiß nur, dass Lou dann noch mehr außer Kontrolle geraten würde und ich möchte es nicht riskieren, dass die ihn dann nicht mehr halten können. Tja…..leider hab ich hier die Patentlösung noch nicht gefunden. Die Devise lautet bisher auch hier nur „dickes Fell haben“.

Fortsetzung folgt am 7. Januar 2018. Verfolgt jeden Sonntag die Geschichte von Lou, dem Hund aus dem Tierheim!

 

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Neele
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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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