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Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 2

Tierheim Hund

 

Lou ist wohl das, was landläufig als „Hund mit geringen Chancen auf ein Leben ausserhalb des Tierheimes“ bezeichnet wird. Die Prognosen „schwer vermittelbar“ bis „aussichtslos“ schienen auf seiner Stirn zu prangen. Einem jungen Rüden, der in seinem Leben nichts falsch gemacht hat, sondern einfach in die falschen Hände geraten ist, geben Annika und ihr Mann Sebastian eine zweite Chance.

Von Gastautorin Annika

 

*Fortsetzung* – Lest auch Episode 1: Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 1

Episode 2: Eine gemeinsame Sprache sprechen

Natürlich war der Ortswechsel für Lou erst einmal Stress; das ist es wohl für jeden Hund. Aber auch für uns war es mit einem mulmigen Gefühl verbunden. Natürlich, wir kannten ihn aus dem Zwinger und Auslauf. Wir wussten inzwischen, dass Lou gerne mal sein Maul zur Hilfe nimmt, wenn er auch nicht zubeißt. Aber wie würde es in der Wohnung sein? Könnte er beißen? Ist er stubenrein? Wird er sämtliche Möbelstücke erst einmal markieren oder sie vielleicht sogar zerstören? Wie wird er sich nachts verhalten?

Wir hatten Glück. Er schien stubenrein zu sein, er pinkelte keine Möbel an. Nach ein paar Stunden in der Wohnung kam er zur Ruhe. Und dennoch, wenn ich heute an unsere ersten vier Wochen mit ihm zurückdenke…! Naja, heute kann ich darüber schmunzeln. Damals waren wir … sagen wir mal, sehr müde und teilweise der Verzweiflung nahe.

Tierheimhunde

Lag Lou nachts überhaupt irgendwann endlich neben uns in seinem Körbchen, so saßen wir jede Nacht circa zweimal aufrecht im Bett, weil er irgendetwas hörte und uns mit seiner sonoren Stimme bellenderweise weckte. Aber BIS er sich erst einmal schlafen legte….!

Jeden Abend kamen wir mindestens zwei Stunden später ins Bett als angedacht.
Wir wollten schlafen – aber Lou nicht. Stattdessen erbeutete er sich einen Schuh nach dem anderen. Und wir hatten ja gelernt, wir mussten uns als Rudeloberhaupt beweisen! Also begann der Machtkampf um Schuh und Rudelposition. Hatten wir den Schuh zurückgewonnen, wurde der nächste gebracht….so ging das Stunde um Stunde… Besonders entzückend wurde es, als Lou herausfand, dass er sich an unserer leeren PET-Flaschensammlung bedienen konnte. Das Knistern der Flasche in seinem Maul, während er immer und immer wieder darauf biss, macht mich in Gedanken noch rasend. Was sollte uns Lous Verhalten sagen? Wir hielten es anfangs für Dominanzgehabe und kämpften daher um jede Beute. Bis uns unsere Hundetherapeutin über Lous genaues Verhalten und seine Körperhaltung dabei ausfragte. Und wir feststellen mussten, dass er eigentlich ein Problem hatte und dies versuchte mit uns zu lösen. Nun gut, diese Erkenntnis brachte uns zumindest ein klein wenig weiter. Aber was war sein Problem? Er kann ja nicht reden.

Ich erinnere mich noch an einen Abend, an dem mein Mann zu einem Lehrgang verreist war und Lou und ich alleine waren. Es war Abend, Lou wollte nicht schlafen. Ich hatte ALLES versucht. Ich hatte ihm Futter gegeben, ich war innerhalb von 30 Minuten mindestens zehn Mal mit ihm vor der Tür, …. Ich war schrecklich übermüdet und verzweifelt, weil ich nicht mehr weiter wusste. Ich weiß noch genau, wie ich weinend auf meinem Bett saß, Lou guckte mich mit seinen braunen Knopfaugen an, und ich sagte völlig verheult zu ihm: „Was willst du denn nur von mir?!?!?!“ Aus heutiger Sicht könnte ich mich darüber kaputt lachen, wie wir über Couch und Bett und quer durch die Wohnung auf der Jagd nach Schuh oder Flasche gehoppelt sind. Damals jedoch war das ein echtes Kommunikationsproblem zwischen uns. Ich bewundere immer die Hunde, die sich ihren Besitzern so logisch verständlich machen. Wenn sie Hunger haben, klimpern sie mit dem leeren Napf, wenn sie raus müssen, stehen sie vor der Tür und jaulen. Lou denkt leider anders.

Tierheimhunde

Es hat gute vier Wochen gedauert, bis wir mit Lou eine gemeinsame Sprache gefunden hatten.
Nun, was hat so ein Hund wohl für Bedürfnisse? Hunger, Durst, Pipi, Kacka, Blähungen, Langeweile. Das sind zumindest die grundlegenden Dinge, die wir mit Lou ausfindig machen konnten. Natürlich kann er uns nicht immer sagen, welches dieser Dinge gerade sein Problem ist, ABER seit wir ihn besser verstehen, zeigt er auch anders sein Problem. Hier ist die Sprache sicherlich noch ausbaufähig, aber wenn er kommt und permanent an uns rumleckt, wenn er uns anbellt oder nervös durch die Wohnung läuft, dann verstehen wir ihn und können handeln. Seitdem gibt es keine kaputten Schuhe, keine knisternden PET – Flaschen mehr, und ins Bett kommen wir auch alle pünktlich.
PS: Nachts wird auch nicht mehr gebellt.

Fortsetzung folgt am 9. Juli. Verfolgt jeden Sonntag die Geschichte von Lou, dem Hund aus dem Tierheim.

 

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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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