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Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 6

Tierheim Hund

 

Lou ist wohl das, was landläufig als „Hund mit geringen Chancen auf ein Leben ausserhalb des Tierheimes“ bezeichnet wird. Die Prognosen „schwer vermittelbar“ bis „aussichtslos“ schienen auf seiner Stirn zu prangen. Einem jungen Rüden, der in seinem Leben nichts falsch gemacht hat, sondern einfach in die falschen Hände geraten ist, geben Annika und ihr Mann Sebastian eine zweite Chance.

Von Gastautorin Annika

*Fortsetzung* – Lest auch Episode 1, 2 und 3 und 4: Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 1Episode 2Episode 3Episode 4 und Episode 5.

Episode 6: Behörden

Ich hatte ja bereits über das unterschiedliche Verhalten der lieben Nachbarschaft erzählt. Nun, in Bezug auf diese Reaktionen kann ich inzwischen über noch weitergreifende Erlebnisse berichten. Den neuesten Ereignissen nach hatte ich nämlich Kontakt zum Ordnungsamt – diese nette Konversation habe ich übrigens auch Personen aus der Nachbarschaft zu verdanken.

Ich möchte an dieser Stelle aber nicht die Leute verschrecken, die sich jetzt vielleicht noch denken: „Auch das noch! Ärger mit dem Ordnungsamt…Da tu ich mir so einen „Problemhund“ ja erstrecht schon nicht mehr an.“ Nein, ich möchte eher ein bisschen die Angst nehmen und vermitteln, dass alles nur halb so schlimm ist wie es sich anhört, und dass auch solche häufig betitelten „Behörden-Futzis“ wirklich nett sein können, und dass es zudem ja auch immer noch diverse Rechtsgrundlagen gibt.

Natürlich, es ist nicht abzustreiten, dass solche Besuche oder Gespräche lästig sind. Aber das dicke Fell haben wir als Halter eines „Problemhundes“  ja eh schon; eigentlich ändert das auch nichts mehr. In gewisser Weise entwickelt man eher für solche Situationen einen gewissen Galgenhumor und eine gewisse Belustigung über manche Menschen. Aber ich fange mal von vorne an über mein neuestes Erlebnis zu berichten.

Ich war der Grippewelle erlegen und daher zu Hause, als es am Vormittag an der Tür klingelte. Da Lou momentan noch bellt, wenn es klingelt, legte er sich direkt ins Zeug. Ich ging also zur Tür, hielt Lou fest und öffnete. Lou bellte…, es kam niemand die Treppen hoch…Ich dachte zuerst, der Paketbote würde kommen, da dieser sich unten immer erst einmal per Zuruf meldet und erst hochkommt, wenn Lou sich im Nebenzimmer befindet. Aber es kam kein Ruf. Stattdessen kamen ganz langsam ein Mann und eine Frau um die Ecke und blieben erst einmal auf der Zwischenetage stehen. Ich wurde gebeten, den Hund in ein Nebenzimmer zu bringen. Ich fragte daher erst einmal, wer die Herrschaften überhaupt seien.

OEDNUNGSAMT!

Ich wusste sofort, warum die hier waren. Also ging Lou ins Arbeitszimmer. Die Beamten stellten sich also vor und berichteten, dass eine Anzeige darüber vorläge, dass wir hier einen „gefährlichen Hund“ halten würden, den insbesondere ich überhaupt nicht halten könnte und es bisher nur Glück gewesen sei, dass dieser nicht entwischt sei. Außerdem hätten bereits alle in der Nachbarschaft Angst.

Aha.

Jetzt muss ich kurz einen  Sprung in die Vergangenheit machen;  es war circa drei Tage vor dem Besuch des Ordnungsamtes. Mein Mann war abends im Dunkeln (!) mit Lou draußen und stand vor der Nachbarshäuserreihe, als eine Frau im Stechschritt (!) unverhofft (!) aus der Haustür kam. Lou erschreckte sich und ging direkt durch. Die Frau schimpfte, dass mein Mann bloß mit diesem Hund verschwinden solle. Dann stieg sie in ihr Auto. Mein Mann ging mit Lous Kackbeutel zu den Aschentonnen, und dort fuhr die Nachbarin in erhöhtem Tempo auf meinen Mann und Lou zu, die gerade noch ausweichen konnten. Dann zeterte sie weiter durchs Fenster, dass unser Hund ja auch keine Kinder mögen würde, und sie hätte ja welche, und sie würde sich erkundigen.

Zurück also zum Besuch des Ordnungsamtes. Ich wusste sofort, dass wir diesen Besuch dieser Nachbarin zu verdanken hatten. Ich holte also etwas weiter aus, und berichtete den Beamten über Lous Herkunft und dass er ein „Problemhund“ sei. Aber auch, dass wir immer mit Leine, Geschirr und Maulschlaufe raus gehen würden und dass ich versichern kann, dass noch nie eine Gefahr bestanden habe, dass Lou uns entwischen könnte. Und ebenso berichtete ich, dass es halt solche und solche Nachbarn gäbe und man zwangsläufig hart im Nehmen werden würde.

Die Beamten waren wirklich freundlich und verständnisvoll. Wichtig war denen, dass wir eine Trainerin haben und der Hund immer angeleint ist. Sie erkundigten sich noch nach Name und Rasse. Der Name erwies sich als korrekt; Lou ist ja auch bei der Stadt gemeldet; als Rasse hingegen wurde von den Nachbarn ein Rottweiler angegeben. Selbst die Beamten mussten zugeben, dass Lou nicht im Geringsten wie ein Rottweiler aussieht. Vermutlich entstand diese Annahme seitens der Nachbarn aus einer Kombination völliger Ahnungslosigkeit über Hunde und mit dem Wissen, dass „gefährliche Rassen“ den Handlungsbedarf noch dringlicher wirken lassen.

Nachdem alles geklärt war, hinterließ ich nur noch meine Handynummer für eventuelle Rückfragen. Ansonsten war der Fall eigentlich geklärt. Denn nach deutschem Recht besteht in so einer Situation erst Handlungsbedarf, wenn der Hund tatsächlich gebissen hat oder jemanden durch Anspringen schwer zu Fall gebracht hat. In gewisser Hinsicht vielleicht auch ein zweischneidiges Schwert. Wir sind hier jedenfalls  im Recht und gehen verantwortungsvoll alle Vorsichtsmaßnahmen ein, um so etwas zu vermeiden. Zumal ich nicht abstreiten will, dass Lou furchteinflößend wirken kann, die Situation aber ganz anders ist, als es die Nachbarn angezeigt haben.

An diesem Tag war ich eigentlich eher belustigt über den Vorfall. Am Tag darauf fing es mich an zu nerven. Denn ich erhielt einen Anruf von dem Herrn vom Ordnungsamt, der mir mitteilte, dass der Anzeiger eine Rückmeldung erwünscht hatte und über das Ergebnis überhaupt nicht erbaut war. Um die Wogen glatt zu halten fragte er mich, ob ich bereit wäre, den Hund vom Amtsveterinär begutachten zu lassen. Das sei alles freiwillig.

Da ich gewillt bin mit der Nachbarschaft gut zu stehen, willigte ich vorerst ein. Es sollte kein Wesenstest oder dergleichen stattfinden, lediglich eine Einschätzung über die Gefährlichkeit unseres Hundes bzw. wie gut wir/ich ihn im Griff habe. Da ich mir sicher bin, dass ich alles soweit im Griff habe, dass eben nichts passiert, stellte dies für mich erst einmal kein Problem dar. Näheres sollte ich erfahren, sobald er mit dem Amtsveterinär  gesprochen habe.

Im Laufe des Tages sprach ich unter anderem mit unserer Hundesitterin/Nachbarin, die Juristin ist, die uns von alledem abriet. Und recht hatte sie auch. Die Nachbarn würden eh nie zufrieden sein. Warum ruft man beim Ordnungsamt an? Doch nur, wenn man will, dass der Hund den Besitzern entzogen wird. Wie soll da eine weitere Begutachtung zufrieden stellen?! Wir haben nach dem Gesetz Recht. Wozu also noch weitere Maßnahmen?! Vorteile bekommen wir keine. Eher hatte sie Sorge, dass man eventuell versuchen könnte, unserem Sennenhund-Mischling noch irgendeine „Listenhundrasse“ mit anzuhängen, damit dieser dann einen Wesenstest absolvieren muss (den er ja momentan definitiv nicht bestehen würde).

Am dritten Tag erhielt ich erneut einen Anruf von dem Beamten. Der mir diesmal mitteilte, dass der Amtsveterinär keinen Anlass für eine weitere Begutachtung sähe und der Fall somit erledigt wäre.

Hier muss ich nochmal einwerfen, dass wir zwischenzeitlich kombinieren konnten, zu wem eigentlich die Frau gehört, die uns das alles eingebrockt hatte. Und zwar zu einem Nachbarn mit drei Söhnen, der irgendwie bei der Polizei arbeitet oder vielleicht auch selbst Polizist ist. Schön besagtes Vitamin B sorgt in diesem Fall also für die viele Mühe des Ordnungsamtes. Der Amtsveterinär jedoch scheint ja glücklicherweise ein Mensch zu sein,  der dennoch nach der Rechtslage handelt und keine Extrawürste an Kollegen verteilt!

Es folgte noch ein wirklich freundliches Gespräch mit dem Beamten. Denn ich schilderte ihm, dass wir sowieso von der Begutachtung aus diesen und jenen Gründen zurückgetreten wären, und dass wir ja auch inzwischen wüssten, dass der Anzeiger ein Kollege von ihm wäre. Nun, über den Anzeiger dürfe er nichts sagen. Das war ja auch egal. Wir wissen ja, um wen es sich handelt. Jedenfalls bat ich ihn, falls er nochmal Rücksprache halten müsse, auszurichten, dass wir umgängliche Menschen wären, und sie gerne auch mit uns das Gespräch suchen könnten (wenn man dies eigentlich auch vor Beschimpfungen und Anzeigen machen würde). Das würden wir nicht wollen, sagte er salopp.

Aus Schutz für den netten Beamten möchte ich hier keine weiteren Details dieses Gesprächs schildern. Aus dem weiteren Gesprächsverlauf ließ sich schlussfolgern, dass es sich nicht gerade um den umgänglichsten Artgenossen aus der Gattung Mensch handelt und man mit Vernunft wohl nicht sehr weit kommen würde. Ich wurde auf alles Wichtige hingewiesen und befolge dies ja auch, von daher sei die Sache seinerseits erledigt.

Abschließend kann man also sagen, dass „Ärger mit den Behörden“ nicht immer gleich Ärger bedeuten muss. Vielmehr war ich angenehm überrascht über die Art dieser Beamten und fühlte mich in keiner Weise in die Ecke gedrängt oder im Unrecht, geschweige denn in Gefahr. Niemand, der wirklich verantwortungsbewusst mit der Aufgabe umgeht, einen „Problemhund“ zu erziehen, muss sich fürchten vor Nachbarn, die zu viel Langeweile haben! Man muss nur über die Rechtslage und Vorschriften Bescheid wissen und sich danach richten. Dann kann auch niemand einem verbieten sich so einer Aufgabe anzunehmen!

Wir freuen uns jedenfalls schon auf den Tag, an dem Lou ohne mit der Wimper zu zucken mit uns spazieren gehen kann und wir mit hoch erhobener Nase an all den blöden Nachbarn vorbei laufen!

Fortsetzung folgt am 6. August. Verfolgt jeden Sonntag die Geschichte von Lou, dem Hund aus dem Tierheim.

 

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Neele
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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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