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Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 7

Tierheim Hund

 

Lou ist wohl das, was landläufig als „Hund mit geringen Chancen auf ein Leben ausserhalb des Tierheimes“ bezeichnet wird. Die Prognosen „schwer vermittelbar“ bis „aussichtslos“ schienen auf seiner Stirn zu prangen. Einem jungen Rüden, der in seinem Leben nichts falsch gemacht hat, sondern einfach in die falschen Hände geraten ist, geben Annika und ihr Mann Sebastian eine zweite Chance.

Von Gastautorin Annika

*Fortsetzung* – Lest auch Episode 1, 2 und 3 und 4, 5 und 6: Tierheim Hunde: Unser Leben mit „Problemhund“ Lou – Episode 1Episode 2Episode 3Episode 4Episode 5 und Episode 6.

Episode 7: Wozu ein „Problemhund“?

Ich habe bereits viel über die Probleme und die Arbeit mit einem „Problemhund“ geschrieben. Man fragt sich sicherlich, warum sollte man sich dieses ganze Theater antun? Die Frage kann man sicherlich nicht für jedermann beantworten.

Für uns ist es nicht nur Arbeit. Es ist eine gemeinsame Aufgabe, Interesse, es ist Spaß, es ist Lernen über sich selbst, und man tut etwas Gutes für ein hilfloses Lebewesen und wird am Ende dafür  entlohnt. Natürlich, anfänglich hat man enorme Einschränkungen im täglichen Leben. Man muss unendlich viel Geduld haben. Und hier sei gesagt, ich bin unendlich dankbar, dass ich meinen Mann an meiner Seite habe, denn alleine hätte ich vielleicht aufgegeben. Zu Zweit hingegen hat der eine Geduld, wenn der andere sie verliert. Und natürlich hat man Erfolgserlebnisse, die am nächsten Tag wieder zunichte gemacht werden, und man zweifelt das ein oder andere Mal, ob das überhaupt jemals etwas werden wird. Aber man erinnere sich:

Der Hund kann nur so gut und so schnell gut werden, wie der Mensch es ihm logisch und konsequent vermittelt!

Das Verhalten eines Hundes und die Reaktion des Hundes auf bestimmte Verhaltensweisen ist so interessant, es macht Spaß, mit dem Tier zu arbeiten und die Veränderung am Hund zu beobachten, man lernt sehr viel über sein eigenes Verhalten, darüber was Konsequenz und Inkonsequenz des eigenen Verhaltens verursacht. Für uns persönlich ist es zudem ein schönes Gefühl zu wissen, dass wir einem Tier eine Chance und ein schönes Leben ermöglichen, das vermutlich bisher eher Leid erfahren hat und sonst als unvermittelbar im Tierheim sein Leben verbringen müsste.

Wir sind noch lange nicht am Ziel. Und wir gehen davon aus, dass wir noch mindestens ein Jahr benötigen werden um ein halbwegs normales Leben mit Hund führen zu können.  Aber wir glauben an den Erfolg und freuen uns über jede kleine Besserung, die wir an unserem Hund bemerken.

Derzeitiger Stand…

Lou ist jetzt einige Monate bei uns. Eine schon recht lange Zeit. Und es wird noch eine weitere lange Zeit ins Land gehen, bis ich endlich mit ihm durch den Wald spazieren gehen kann. Man darf nicht vergessen, Lou war schon fast vier Jahre alt, bis er anfing zu lernen.  So ein festgefahrenes Verhalten legt man nicht innerhalb von ein paar Wochen ab. Und wieder heißt es hier:

Der Hund kann nur so gut werden, wie der Mensch es ihm vermittelt!

Wir sind keine Profis, auch wir brauchen zwingend die Unterstützung unserer Profi-Therapeutin,  auch wir wachsen nach und nach in diese Rolle herein und sind heute bestimmt schon besser als zu Beginn, und wir werden weiterhin zunehmend besser werden. Und nur dann kann auch Lou besser werden! Dennoch hat er einiges erreicht.

Wir sprechen unsere gemeinsame Sprache, wissen, wann er Probleme hat. Er fühlt sich in der Wohnung sicher, erschreckt nicht mehr beim Bettenaufschütteln. Auch Tanzen kann ich in der Wohnung und  Tanz-DVDs kann er sich zumeist im Fernsehen ansehen. Er hält bereits in vielen verschiedenen Situationen Blickkontakt zum Menschen (sogar teilweise draußen) und fragt darüber um Erlaubnis, er klaut im Beisein des Essers kein Essen mehr, er wartet wenn er Futter bekommt, er nimmt Futter nach Erlaubnis und vor allem sanft aus der Hand, er kann „Sitz, Platz, auf die rechte und auf die linke Seite legen“,  er geht nach uns durch die Tür, er geht neben uns die Treppen hoch, er geht ( i.d.R.) nicht auf Couch oder Bett, er kann manches im Fernsehen länger ertragen oder sich zumindest zurückrufen lassen, er zeigt keine Leinenaggression mehr, er lässt sich ohne Schnappen und Hampeln, Halsband, Geschirr, Maulschlaufe und Leine anlegen, die Pfoten lassen sich ohne Schnappen abputzen, er bleibt auf seiner Decke liegen, während wir in der Wohnung hin und her laufen, Besucher werden weniger stürmisch begrüßt und er legt sich während des Besuchs auch mal hin statt nur dazwischen rumzuhampeln, er kann kleine Runden um den Block gehen, kann sich auspinkeln anstatt überall nur tröpfchenweise zu markieren, an-der-Leine-Gehen mit Gehtraining wird besser, Aggression gegenüber Außenstressoren hat sich verändert (weniger Haare aufstellen, anderes, harmloseres Bellen), bei Fußgängern (inkl. diversem Gepäck, Rollatoren etc.) kann er durch erlernte Gestik bereits Verantwortung besser abgeben und sich rausbringen lassen, Distanzen zu genannten Stressoren konnten deutlich verringert werden, nachts wird nicht mehr gebellt, tagsüber wird das Bellen bei Geräuschen im Flur weniger, wir können abends zusammen auf der Couch liegen…

Es sind viele Kleinigkeiten, die uns zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Einen „Problemhund“ zu übernehmen ist nicht einfach – aber es lohnt sich auch!

 

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Hi, ich bin Neele, #Hundenärrin, #Hundemama, #Hundehaarmagnet, #Bücherwurm, #Textmaniac. Auf diesem Hundeblog schreibe ich über das Leben mit Hund. Im Hundeblog findet ihr Trends, Lustiges, Ernstes, Absurdes, Wissenswertes. Ich sage nur: Let the dogs rock the world!
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7 Kommentare

  1. Svenja sagt

    Hey Annika!

    Ich bin’s, Svenja, aus dem dritten Stock. 😉 Erst einmal – weil ich euch seit dem nicht mehr gesehen habe: Herzlichen Dank für eure superlieben Glückwünsche zur Hochzeit! Das hat uns wirklich sehr gefreut und gerührt!

    Und dann habe ich mich schon seit eurer Adoption von Lou gefragt, wie ich mich im Treppenhaus und vor dem Haus am besten für euch drei verhalte. Allerdings habe ich mich nie getraut, nachzufragen, um den Moment der Begegnung nicht noch zu verlängern. Nun habe ich deine Blog-Einträge gelesen und frage untypischer Weise hier nach.
    Pascal und ich haben auch ein sehr großes Herz für Tiere und würden euch die Begegnungen gerne vereinfachen.
    Wenn es irgendeinen Weg gibt, die Situationen für Lou – und somit auch für euch – stressfreier zu gestalten, dass lass es mich bitte wissen!
    Ich würde euch auch als „fremde Person“ für Lou’s Übungen zur Verfügung stehen, wenn er soweit ist.

    Viele liebe Grüße!
    Svenja

    • Hallo Svenja.

      Das ist ja lustig. 😁

      Also eigentlich gibt es nicht so viel was man beachten kann. Es kommt immer auf die Situation an. Manchmal erschreckt sich Lou einfach bei der plötzlichen Begegnung und dann ist meist schon zu spät. Ein anderes Mal kann er alles besser einschätzen und dann ist alles gut.
      Im Prinzip besser langsamere als schnelle Bewegungen und nicht die Hände arg hoch heben oder damit wedeln (wir wissen nicht ob er mal schlechte Erfahrungen damit hatte; er reagiert da manchmal schreckhaft).
      Ansonsten ist es ja unsere Aufgabe ihn einzuschränken; sieht halt manchmal rabiater aus als es ist.
      Ja. Leider kommt man auch schlecht zum Reden, wenn man ihn dabei hat…. 😞
      Wir würden uns sonst auch mehr mitteilen; leider verstehen viele Leute das aber auch nicht und somit der Zeit gibt man das viele Erklären auch auf.
      Ansonsten könnt ihr aber gerne mal vorbei kommen. Wir erklären gerne mehr.
      Und Hochzeitsfotos würden wir ja auch gerne noch sehen 😁.

      Personen fürs Training mit unserer Trainerin suchen wir ständig! Da kommen wir gerne drauf zurück.🎉😚.

      Vielleicht reden wir mal persönlich oder ich gebe auch meine Nummer; dann missbrauchen wir nicht Neeles Blog.

      LG
      Annika

  2. Hallo, ich bin durch Zufall hierauf gestoßen und bin Lous Vorbesitzerin bzw. war er der Hund meiner Mutter.. lou kam mit gerade mal 6 Wochen zu uns weil seine Mutter mit 16 Welpen total überfordert war. Er war von Welpe an sehr dominant und fordernd was ich, als ich noch zuhause lebte mit meiner Tochter gut Händeln konnte. Leider hatte meine Mutter durch Existenzaufgabe und neuen Arbeitsplatz absolut keine Zeit mehr und ich bin zuvor ausgezogen so das ich 2 mal täglich zum gassi gehen kam und er sonst Morgens und abends den Garten nutzen musste. Seine Runden wurden leider zum Schluss sehr nervenaufreibend was ich mit Säugling auch nicht mehr konnte. Er hatte aber von Anfang an immer ein halti und war wirklich total Familien und besonderen Kinder bezogen. Habe auch sehr viele Bilder von ihm als Welpe oder beim Kommandos üben wir Pfötchen geben, falls Sie daran Interesse haben. Dieses zwicken knabbern war als welpe für ihn sein Einschlafritual.. das ging mit einen guten stinkenden Schinkenknochen dann gut zu Händeln.
    Flöhe hatte er sich damals leider von den freiläufigen Katzen der Nachbarschaft eingefangen die gern auch mal bei uns streunerten aber vor Abgabe war es schon viel viel besser. Zudem schreiben Sie er verträgt sich nicht mit Artgenossen… lou wurde als 2 Hund gehalten wir hatten eine alte Chihuahua Dana die ihn eher untergebuttert hat.. ich würde mich wirklich freuen nochmal zu lesen wie er sich gemacht hat.. schon allein weil ich ihn aus reiner Überzeugung abgegeben habe auch Chance das er glücklich ist.. durch die viele Arbeit und das lange allein sein war er die letzten Wochen tot unglücklich und hörte auch auf niemanden mehr außer auf mich weil ich 2 mal täglich vorbei kam.

    Aber ich kann sagen lou war immer kinderlieb er schlief mit meiner Tochter zusammen im Körbchen kuschelte und beschütze sie vor jeden bösen Alptraum und liebte auch mein Sohn der erst ein paar Tage alt war als ich ihn lou vorstellte. Lou leckte ihn vorsichtig über die Füße und danach war er auch weniger stürmisch sobald mein Sohn in der Nähe war..

    • Liebe Nina, danke für deinen Kommentar und die Hintergrund-Geschichte. Ich denke, es hilft extrem, wenn man ungefähr weiss, woher der Hund kommt, dem man sich angenommen hat, und woher gewisse Verhaltensweisen kommen. Ich sage Annika gern Bescheid und wenn du magst und Zeit und Lust hast, würde ich mich freuen, wenn du uns seine Vorgeschichte aufschreiben und mir an neele@fiffibene.de schicken würdest.
      Ganz liebe Grüße und danke für deine Offenheit!!!!
      Wilma und Neele

    • Hallo Nina!

      Über Fotos als Welpe von Lou würde ich mich wirklich sehr freuen. Vielleicht kann Neele hier einen email Kontakt herstellen? Denn ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass das wirklich sehr der Selbe Lou sein soll!!!!!!!
      Schon im Tierheim wurde angegeben, dass die Angaben der Vorbesitzer nicht stimmen können. Und bei all den Verhaltensweisen, die Lou an den Tag legt, kann ich mir nicht vorstellen, dass er jemals Gassi gehen konnte oder nah an ein Kind heran konnte ohne es beißen zu wollen….
      Leider.

      LG
      Annika

  3. Hallo Christoph.
    Danke sehr. Aber noch haben wir es ja nicht geschafft.
    Mal sehen wie es weiter geht.
    Vielleicht fallen ja noch ein paar Stories für fiffibene ab😉.

    LG
    Annika

  4. Christop sagt

    Hallo Annika,
    ich habe alle Episoden gelesen, mein Respekt für eure Geduld, euer Training mit Lou und euer Einfühlungsvermögen. Wie du selbst geschrieben hast, einen “Problemhund“ zu übernehmen ist nicht einfach aber es lohnt sich. Schade nur, dass Lou so lange auf die Menschen warten musste die eigentlich von Anfang an für ihn bestimmt waren.
    Liebe Grüße vom Rhein, Christoph

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