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Urlaub mit Hund: Hunde willkommen? – Von wegen…

Urlaub mit Hund

 

„Hunde willkommen“, damit locken immer mehr Urlaubsanbieter und Urlaubsregionen in ihren Werbebroschüren und auf ihren Websites. Allerdings ist nicht immer drin, was drauf steht. Gastautor Christoph Detmer zieht ein kritisches Resümee: Norddeutsche versus holländische Küste – eine Bilanz eines Urlaubers mit Hund.

Im Frühjahr hatten meine Frau und ich einen Kurzurlaub an der deutschen Nordseeküste, in Greetsiel gemacht. Schon lange vorher hatten wir uns auf lange Deichspaziergänge mit unserem Hund gefreut. Sehr schnell war die Vorfreude der Ernüchterung gewichen. Hunde willkommen hatte es gelautet. Dann aber an fast jedem Deichaufgang ein Schild mit dem Hinweis, dass der Zutritt mit Hunden untersagt ist. Mal war Schafbeweidung der Grund, mal Jungtiere und Mal war auch gar kein Grund angegeben. Lediglich im direkten Ortsbereich war der Zutritt zum Deich mit angeleintem Hund gestattet. Auch war überall darauf hingewiesen worden, dass Hunde grundsätzlich anzuleinen sind, da man sich in einem Naturschutzgebiet befindet. In einem Flyer wurde mit lobenden Worten beschrieben, dass es nicht weit entfernt, in Dornumersiel, einen Hundewanderweg am Watt entlang geben würde. Also ab ins Auto und dorthin gefahren. Diesen Hundewanderweg hat es tatsächlich gegeben. Es war ein asphaltierter Weg, ca. 2,8 km lang, mit Gästekarte kostenlos, ohne Gästekarte für 2,50 Euro pro Person Eintritt.

Urlaub mit Hund

2,50 Euro pro Person. Hundewanderweg zum Schnäppchenpreis oder Geldmacherei?

Dass es auch anders geht, haben wir in unserem Sommerurlaub erlebt. Nein, wir waren nicht wieder an der deutschen Nordseeküste, wir waren in Holland, in der Nähe von Burgh Haamstede. Es war nicht unser erster Urlaub in unserem Nachbarland und von daher wussten wir, dass wir mit wesentlich weniger Einschränkungen rechnen konnten. Überrascht waren wir trotzdem. Direkt hinter unserem Ferienhaus war ein großes Dünen- und Waldgebiet, als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Nach dem Auspacken hatten wir mit Telmo einen ersten Spaziergang gemacht. Wir hatten noch keine 100 Meter zurückgelegt, ein Schild, „Hundefreilaufgebiet“. Ja was denn nun, hatten wir uns gefragt, Hundefreilaufgebiet oder Naturschutzgebiet? Ohne weiter darüber nachzudenken waren wir weiter in den Schatten spendenden Wald gegangen. Schon wieder ein Schild, „Hundefreilaufgebiet“.

Urlaub mit Hund Holland

Hundefreilauf in den Dünen …

So war es uns in den nächsten 14 Tagen regelmäßig gegangen. Statt ständigem Hinweis, dass der Zutritt mit Hund untersagt ist, oder der Hund anzuleinen ist, „Hundefreilaufgebiet“. Auch am Strand, kein kleiner abgegrenzter Bereich, in dem sich viel zu viele Hund mit ihren Haltern gegenseitig auf die Füße treten. Statt dessen einen Strandabschnitt, an dem Hunde nicht erwünscht waren, ein (wesentlich größerer) Abschnitt, an dem Hunde angeleint werden sollten, und viele große Abschnitte, an denen Hunde frei laufen durften. Nicht nur dass sich 99% aller Hundehalter an die wenigen Einschränkungen gehalten hatten, diese 99% hatten auch Kottüten für die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner benutzt und die aus deutschen Wäldern und Wegrändern bekannten possierlichen Abfälle und zerbrochenen Glasflaschen hatten wir nicht gesehen. Bei einen Spaziergang durch eine kleine Hafenstadt keine misstrauischen Blicke auf unseren Hund, keine Aufforderung doch bitte weiter zu gehen, damit unser Telmo nicht die Straße „vollscheißt“, nein, vor vielen Häusern ein Napf mit frischem Wasser, es könnte ja eine durstige Fellnase vorbeikommen.

Urlaub mit Hund Holland

… und am Strand

An der deutschen Nordseeküste überall der Hinweis, dass man sich in einem Naturschutzgebiet befindet und Hunde anzuleinen sind, aus den gleichen oder ähnlichen Gründen der verwehrte Zugang zum Deich. In Holland ein Freilaufgebiet innerhalb eines Naturschutzgebietes. Meine Frau und ich sind wirklich für den Schutz unserer Natur, aber ist es tatsächlich so, dass Hunde unsere Natur so stark gefährden, dass man mit so vielen Einschränkungen darauf reagieren muss wie an der Nordseeküste? Wenn ich an die riesigen Inseln aus Plastikmüll auf unseren Weltmeeren denke, sind Hunde dafür verantwortlich? Was ist mit der Feinstaubbelastung unserer Atemluft? Natürlich, Hunde haaren beim Fellwechsel, aber das das etwas mit Feinstaub zu tun hat, wäre mir neu. Und wer deponiert seinen Müll und sogar ausgediente Haushaltgeräte in freier Natur, Hunde? Mit Recht wird darauf hingewiesen, dass frei lebendes Wild vor Angriffen durch freilaufende Hunde geschützt werden muss. Das funktioniert auch in unserem Nachbarland. Direkt im Freilaufgebiet neben unserem Ferienhaus haben wir in den frühen Abendstunden aus ca. 15 Metern Entfernung völlig entspanntes Wild fotografiert. Weder Hunde noch Menschen hatten die Tiere aus der Ruhe gebracht. Zumindest in Holland gibt es trotz dieser Freiheiten für Hunde noch eine funktionierende und intakte Natur. Vielleicht ist unser Nachbarland aber auch nur ein Phänomen und in jedem anderen Land wäre die Natur durch soviel Toleranz und natürliche Akzeptanz von Hunden schon längst völlig zerstört.

Urlaub mit Hund Holland

Wild direkt im Hundfreilaufgebiet, Verunsicherung, Angst? Fehlanzeige

 

In den kommenden Wochen könnt ihr noch mehr von Autor Christoph Detmer lesen und zwar aus seinem Buch „Telmo, unsere Reise mit einem Angsthund“, das er mit seiner Frau Antje geschrieben hat. Falls ihr jetzt schon neugierig seid, könnt ihr es bei Amazon bestellen: Telmo, unsere Reise mit einem Angsthund.

Telmo: Unsere Reise mit einem Angsthund

 

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Neele
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